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Reform der Hochschulreife:Im Abitur-Irrgarten

Rolle rückwärts: Immer mehr Bundesländer bekommen Zweifel am Turbo-Abschluss und erlauben wieder das neunstufige Gymnasium. Oder sie bieten, um die gestressten Abiturienten zu entlasten, gleich beide Varianten an.

"Für mich persönlich sind die Jahre, die unseren jungen Leuten bisher verloren gehen, gestohlene Lebenszeit", sagte vor ziemlich genau 15 Jahren der damalige Bundespräsident Roman Herzog in seiner "Ruck-Rede". Warum soll, so Herzog, nicht auch in Deutschland ein Abitur in zwölf Jahren zu machen sein? Genauso kam es bekanntlich: Die Kultusminister befanden, dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich zu alt seien, wenn sie an die Hochschulen kommen, beim Jobeinstieg erst recht.

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Alle Länder haben sich peu à peu vom neunjährigen Gymnasium (G 9) verabschiedet und mit der achtjährigen Schulzeit begonnen. Ein doppelter Abschlussjahrgang aus altem G 9 und neuem G 8 drängte in Bayern und Niedersachsen im vergangenen Wintersemester in die Hörsäle, bald steht dies etwa in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen an. Doch der Trend zum Turbo-Abitur stockt - teils kommt es nun zur Renaissance des neunjährigen Gymnasiums.

Über Parteigrenzen hinweg üben sich manche Länder darin, die Entwicklung rückgängig zu machen. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte beim CDU-Landesparteitag am Wochenende, die Gymnasien sollten selbst entscheiden dürfen, ob sie Schüler in acht oder in neun Jahren zum Abitur führen. Dies solle zunächst für den begrenzten Kreis der sogenannten "selbständigen Schulen" gelten.

Ein sachter Trend: In Schleswig-Holstein hat die inzwischen abgewählte schwarz-gelbe Koalition eine Wahlfreiheit für Schulträger eingeführt, es können unter einem Dach auch beide Varianten angeboten werden. Der neue Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) will für das Abitur an klassischen Gymnasien aber wieder zum G 8 zurück, Elternverbände rebellieren. Nordrhein-Westfalen lancierte Schulversuche mit dem G 9, Ähnliches entsteht in Baden-Württemberg. In Rheinland-Pfalz gilt das G 8 ohnehin nur für Ganztages-Gymnasien.

Auch in Bayern, wo der Protest gegen das G 8 dauerpräsent ist, kam Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ins Grübeln. Die Rückkehr zum G 9 kommt für ihn nicht in Frage: Eine solche Umkehr wäre "eine Tortur für Schulen und Schüler". Gleichwohl hat Spaenle ein "Vertiefungsjahr" in der Mittelstufe vorgeschlagen - ein individuelles G 9 im Bedarfsfall also, durch inoffizielles Sitzenbleiben.