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Rechenschwäche Dyskalkulie:Frühe Intervention hilft

Laut Sczygiel besteht aber das Problem darin, dass Lehrer in ihrer Ausbildung kaum auf den Umgang mit Dyskalkulie vorbereitet werden. "Sie wissen viel zu wenig über mathematischen Erstunterricht. Dazu kommt, dass sich gerade Mathematiklehrer oft schwertun, die Schwierigkeiten des Kindes zu verstehen", kritisiert sie. Trotzdem seien Eltern auf die Kooperationsbereitschaft der Pädagogen angewiesen, denn in Deutschland gebe es keine flächendeckenden rechtlichen Regelungen zum Umgang mit Dyskalkulie - die Unterstützung für die betroffenen Kinder variiere von Bundesland zu Bundesland, berichtet Sczygiel. "Es müsste aber endlich verbindlich festgelegt werden, welche Formen von Nachteilsausgleich es für Schüler mit Dyskalkulie gibt", sagt sie. Das könne etwa sein, dass die Kinder für das Bearbeiten von Aufgaben mehr Zeit bekämen, weniger Aufgaben bearbeiten müssten oder den Taschenrechner benutzen dürften. Vor allem für auf das Kind abgestimmten Förderunterricht müsse gesorgt sein.

Weil das nicht in allen Schulen der Fall ist, wenden sich viele Eltern an außerschulische Therapieeinrichtungen oder an die Kinder- und Jugendpsychiatrie. "Es ist Unsinn zu sagen, dass ein Kind mit Dyskalkulie niemals rechnen lernen wird. In der Therapie wird einfach so weit vorne im Schulstoff angesetzt wie nötig", erklärt Wehrmann. Interveniere man früh, sei der Abstand zu den Klassenkameraden noch nicht ganz so groß und könne schneller aufgeholt werden. In der Therapie werde den Kindern dann geholfen, eine Zahlenraumvorstellung zu entwickeln, erklärt Aster.

Rechentraining am PC

Oft verursachten die Probleme beim Rechnen Minderwertigkeitsgefühle, sagt Sczygiel. Betroffene Kinder würden von Klassenkameraden gemobbt. "Eltern sollten deshalb die Stärken ihres Kindes fördern und einen Ausgleich in der Freizeit anbieten", erklärt sie.

Michael von Aster hat zudem das Computerspiel "Calcularis" für Kinder mit Rechenschwäche mitentwickelt. Es passt sich dem individuellen Fähigkeitsprofil an und übt genau diejenigen Funktionen, bei denen es Schwierigkeiten gibt. Ein solches Spiel gab es vor 23 Jahren, als bei Sczygiels Tochter Dyskalkulie diagnostiziert wurde, noch nicht. Für sie war es damals schwierig, eine geeignete Therapie zu finden - am Ende klappte es doch. Heute ist die junge Frau in der Pflege tätig, Rechenaufgaben im Alltag meistert sie. "Nur beim Abschätzen von Zeiten oder Entfernungen ist sie noch immer unsicher", sagt ihre Mutter.

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