Private und öffentliche Schulen:Bessere Schulen durch mehr Wettbewerb?

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Das liegt vor allem am Geld. Schulen in freier Trägerschaft erhalten deutlich weniger öffentliche Mittel als staatliche Schulen - obwohl sie als Ersatzschulen die gleichen Abschlüsse anbieten. Im Schnitt deckten die staatlichen Zuschüsse nur 50 bis 60 Prozent der tatsächlichen Kosten des Privatschulbetriebes, hat der studierte Erziehungswissenschaftler Helmut E. Klein vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) errechnet. Je Schüler spare sich die öffentliche Hand 3500 Euro im Jahr, das entlaste die Länderhaushalte um 2,4 Milliarden Euro.

Klein spricht von einer "systematischen Benachteiligung der Privatschulen", die auch rechtlich nicht ganz unproblematisch sei, liefen Privatschulen doch Gefahr, mit einem hohen Schulgeld gegen das im Grundgesetz verankerte "Sonderungsverbot" zu verstoßen. Dieses schreibt privaten Schulträgern vor, Kinder nicht "nach den Besitzverhältnissen der Eltern" auszuwählen. Das freilich ist oft nur Theorie: Eltern zahlen ja ganz bewusst, um ihren Kindern die aus ihrer Sicht bestmögliche Perspektive zu bieten.

Um Schüler aus ärmeren Familien nicht auszuschließen, plädieren mittlerweile nicht wenige Bildungsökonomen dafür, private und öffentliche Schulen finanziell gleichzustellen. Wenn das Schulgeld keine Rolle mehr spielen würde, hätten alle Eltern die Möglichkeit, sich tatsächlich die beste Schule für ihr Kind frei auszusuchen.

Auch der liberale Volkswirt Ludger Wößmann vom Münchner Ifo-Institut schließt sich der Forderung an. Allerdings argumentiert er weniger mit dem Grundgesetz als mit Wettbewerb, der durch ein gleichberechtigtes Nebeneinander von öffentlichen und privaten Schulen entstünde: Auf Basis von Ergebnissen des Pisa-Tests 2003 hat er festgestellt, dass das Leistungsniveau der Schüler steigt, wenn der Anteil der Privatschulen hoch ist - und wenn diese komplett aus öffentlichen Quellen gespeist werden.

Gute Schüler, kaum Privatschulen in Finnland

Von einem solchen Szenario profitieren laut Wößmann auch die Schüler in staatlichen Schulen, denn auch sie müssten sich dem Wettbewerb um die besten Ideen und Konzepte stellen. "Und effizienter arbeiten", sagt Klein vom IW. "Der Run auf die Privatschulen wäre größer, die staatlichen Schulen müssten ein Kostenbewusstsein entwickeln und sich etwas einfallen lassen, um attraktiv zu bleiben." Es gebe in dem Fall einen Wettbewerb, in dem die Eltern sich das beste pädagogische Konzept aussuchen könnten - egal, wer es anbietet.

In seiner Studie führt Wößmann das Beispiel Niederlande für seine These an: Hier besuchen mehr als drei Viertel aller Schüler eine öffentlich finanzierte und privat organisierte Schule - mit durchaus bemerkenswerten Ergebnis: Bei den bisherigen Pisa-Studien landeten niederländische Schüler ein gutes Stück vor den deutschen.

Die Niederlande seien aber nicht Deutschland, sagt der Privatschulkritiker Weiß. Solange es keine kritische Masse an Privatschulen gebe, könne es kaum Wettbewerbseffekte geben. Außerdem funktioniere Wettbewerb nur in Ballungszentren; auf dem Land mangele es an einer breiten Auswahl an Schulen. Weiß verweist lieber auf Finnland, eines der führenden Länder bei den Pisa-Tests, und ein Land, in dem es kaum Privatschulen gibt. Sein Fazit: "Eltern machen nichts falsch, wenn sie ihr Kind in die Schule stecken, die am besten zu ihnen passt. Ob die nun unter privater oder öffentlicher Trägerschaft läuft, das ist völlig wurscht."

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"Welche Bildung brauchen unsere Kinder wirklich?" - das wollten unsere Leser in der zweiten Runde von Die Recherche wissen. Mit einer Reihe von Artikeln versuchen wir diese Frage zu beantworten.

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