Plagiatsvorwurf:Lammert lässt seine Doktorarbeit prüfen

Der Fall erinnert an Guttenberg, Schavan und Koch-Mehrin: Bundestagspräsident Norbert Lammert sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, bei seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben - und will jetzt die Universität einschalten. Anonym werden im Internet vermeintlich brisante Textstellen aufgelistet.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, in seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben. Ihm wird im Internet vorgeworfen, dass auf 42 Seiten Textpassagen aus 21 Quellen mit Unregelmäßigkeiten zu finden seien. Der Vorwurf wird von demselben anonymen Blogger erhoben, der im vergangenen Jahr auch auf die Fehler in der Dissertation der zurückgetretenen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hingewiesen hatte.

Lammert sagte dazu der Zeitung Die Welt, die zuerst darüber berichtete: "Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt." Allerdings will er die Arbeit untersuchen lassen: "Ich habe die Universität Bochum unverzüglich darum gebeten, die Vorwürfe zu prüfen". Eine offizielle Stellungnahme Lammerts gab es zunächst nicht; sie wurde im Laufe des Abends aber noch erwartet.

Unter dem Pseudonym "Robert Schmidt" heißt es auf der Internetseite "lammertplag": "Einen erheblichen Teil der als verwendet angegebenen Literatur hat er ganz offenbar nicht gelesen; dies wird insbesondere anhand der Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler aus der Sekundärliteratur deutlich." Der Netzaktivist bejahte die Frage der Welt, ob er damit ausdrücklich den schweren Vorwurf verbinde, Lammert habe plagiiert.

Plagiatsjäger hat ein Drittel der Arbeit untersucht

Lammert hatte die Dissertation mit dem Titel "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet" im Jahr 1974 an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhruniversität Bochum eingereicht, Lammert wurde 1975 zum Dr. rer. soc. promoviert, ein Jahr später wurde die Arbeit veröffentlicht.

Der unbekannte Plagiatsjäger schreibt, er habe die Untersuchung nach dem Erreichen von gut einem Drittel der Seiten des Hauptteils abgebrochen. Eine vollständige Dokumentation sei wegen des hohen Zeitaufwands nicht möglich. Zweck der Internet-Veröffentlichung sei es, sowohl die Universität Bochum als auch die Öffentlichkeit zu informieren.

Plagiatsvorwürfe haben bereits eine ganze Reihe von Politikern zu Fall gebracht. Zu den bekanntesten zählen der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP), und Schavan. Allen wurde der Doktortitel entzogen. Während Koch-Mehrins Klage dagegen erfolglos blieb, ist Schavans Verfahren noch nicht entschieden.

© Süddeutsche.de/dpa/fran
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