bedeckt München
vgwortpixel

Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin:Neuer Verdacht gegen Schavan

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan: Die Bildungsministerin soll nicht nur bei anderen, sondern auch unerlaubt bei sich selbst abgeschrieben haben. Schavan schweigt weiter zu den Anschuldigungen - sie will auf die Bewertung ihrer Alma Mater warten.

Die neuen Vorwürfe kamen pünktlich zu Annette Schavans großem Auftritt. Am Morgen bevor die Bundesbildungsministerin vor der Hauptstadtpresse ihren Gesetzentwurf zur Änderung des Grundgesetzes vorstellte, wurden neue Plagiatsvorwürfe gegen sie bekannt. Damit war klar, dass die Pressekonferenz eine der unangenehmeren Art werden wird. Die Fragen zielten nun zu einem Gutteil auf unsauber zitierte Stellen in ihrer 32 Jahre alten Doktorarbeit - und Schavan konnte sie nicht durch ihre Pressestelle abschmettern lassen.

Doch Schavan blieb hart. Sie wolle sich erst zu der Kritik äußern, wenn die Universität Düsseldorf ihre Prüfung abgeschlossen habe. "Wer mit Wissenschaft zu tun hat, weiß: In dem Moment, wo eine Fakultät Vorwürfe bewertet, reden nicht mehr andere", sagte sie. Eine Kommission der Universität Düsseldorf untersucht derzeit den Fall. Wann ein Ergebnis vorliege, sei völlig offen, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Universität.

Der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, hatte der CDU-Politikerin zuvor vorgeworfen, an deutlich mehr Stellen abgeschrieben zu haben als bislang bekannt. Einer Dokumentation zufolge, die Heidingsfelder auf der Seite "SchavanPlag Wiki" veröffentlichte, hat Schavan auf 55 ihrer 350 Seiten umfassenden Doktorarbeit eigene bereits veröffentlichte Texte übernommen, ohne dies zu kennzeichnen.

Bislang wurden Schavan von einem anonymen Blogger 65 fehlerhafte Seiten angekreidet, auf denen sie fremde Texte ohne sauberen wissenschaftlichen Nachweis übernommen haben soll. Insgesamt seien damit auf 110 Seiten der Arbeit Plagiate enthalten, schreibt Heidingsfelder.

Der Diplomkaufmann und Plagiatesucher lastet Schavan damit ein sogenanntes Eigenplagiat an. Dies wird unter Fachleuten jedoch als weit weniger gravierend bewertet als Textstellen, die von fremden Autoren übernommen werden, weil kein fremdes geistiges Eigentum verwendet wird. Es findet eher eine Art Textrecycling statt.

Selbst strenge Plagiatsexperten wie der Münchner Jura-Professor Volker Rieble bewerten Eigenplagiate als Grenzfälle. Der Jurist lehnt es sogar ab, dieses als Plagiat zu bezeichnen. "Der Mehrfachverwerter ist nicht als Plagiator, sondern als Langweiler abzustrafen", meint Rieble. Zudem ist sowohl das Originalwerk als auch die Dissertation im selben Jahr, 1980, erschienen, allerdings hintereinander. Solche Teilveröffentlichungen aus Dissertationen sind im Wissenschaftsbetrieb durchaus üblich und gelten mitunter sogar als Beleg für die Qualität der Arbeit.