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Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin:"Frau Schavan muss das jetzt aufklären"

Bislang hat Annette Schavan noch nicht viel zu den Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit gesagt. Doch die Bildungsministerin gerät unter Druck: Von Seiten der Opposition, aber auch von Rechtsprofessoren.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gerät wegen ihrer Doktorarbeit unter Druck. Oppositionspolitiker fordern nun, sie solle endlich ausführlich Stellung zu den Plagiatsvorwürfen beziehen. Schavan hatte diese bislang nur zurückgewiesen. "Ich habe mein Thema damals sehr genau bearbeitet", sagte Schavan kürzlich der Süddeutschen Zeitung. Sie habe ihre Doktorarbeit "nach bestem Wissen und Gewissen" geschrieben.

Bundesbildungsministerin Schavan besucht Universitaet Muenster

Bundesbildungsministerin Schavan bei der Arbeit. Die Opposition fordert nun eine Erklärung von ihr - schließlich habe sie eine Vorbildfunktion für alle Studierenden.

(Foto: dapd)

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sagte der Bild am Sonntag jetzt: "Für Frau Schavan als Bildungsministerin gelten besondere Maßstäbe. Sie hat Vorbildfunktion für alle Studierenden in Deutschland." Die Ministerin müsse daher das größte Interesse daran haben, dass alle Vorwürfe um ihre Doktorarbeit schnell aufgeklärt werden. Daher solle sie "nicht länger schweigen".

Der Parlamentsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck, forderte in derselben Zeitung: "Anonyme Hinweise hin oder her, Frau Schavan muss das jetzt aufklären." Die Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Dagmar Ziegler, hatte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt, sollten die kursierenden Vorwürfe zutreffen, sei Schavan als Ministerin nicht zu halten.

Florian Pronold, ebenfalls SPD-Fraktionsvize, forderte die Ministerin auf, "sehr offensiv und transparent" die Vorwürfe aufzugreifen. Die Wissenschaftsexpertin der Grünen-Fraktion, Krista Sager, wies darauf hin, dass Plagiatsexperten die Doktorarbeit von Schavan als Grenzfall bewertet haben. Die Uni Düsseldorf müsse sich nun die Arbeit genau anschauen, mahnte Sager.

In dem Internet-Blog schavanplag.wordpress.com wird die Ministerin wegen ihrer Zitierweise kritisiert. Am Samstag meldete sich auch der anonyme Schavan-Ankläger zu Wort, der den Fall ins Rollen gebracht hatte. Der Blogger wirft der Ministerin auf vor, vor 32 Jahren an mehreren Stellen ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und Quellen nicht genannt zu haben.

Schavan hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe Aufklärung versprochen. Sie hatte sich in Guttenbergs Plagiatsaffäre Anfang 2011 sehr kritisch über ihren Kabinettskollegen geäußert. Der SZ sagte sie damals: "Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich."

Alle möglichen Arten von Plagiaten

Eine Kommission der Universität Düsseldorf will in den kommenden Wochen ihre Dissertation unter die Lupe nehmen. Einige Rechtsprofessoren sehen die Plagiatsvorwürfe gegen Schavan allerdings bereits als gerechtfertigt an.

So erklärte der Münchner Jura-Professor Volker Rieble, Schavan könnte ihren Doktortitel verlieren. "Wenn die Textstellen auf 'schavanplag' korrekt wiedergegeben wurden, dann reicht das nach der geltenden Rechtsprechung für einen Promotionsentzug", sagte Rieble der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Qualitativ seien in Schavans Arbeit alle möglichen Arten von Plagiaten zu finden.

Der Berliner Rechtsprofessor Gerhard Dannemann, der zu dem Team gehörte, das auf "VroniPlag" Schavans Dissertation prüfte, sieht bei der Ministerin "ein gravierendes wissenschaftliches Fehlverhalten". Der österreichische Medienwissenschaftler und Plagiatsexperte Stefan Weber sagte dem Focus: "Sollten die präsentierten Vorwürfe berechtigt sein, dann handelt es sich um ein glasklares, absichtliches Plagiat." Der Umfang bekannt gewordener Textstellen aus Schavans Dissertation genüge, um die Arbeit "wissenschaftlich wertlos" zu machen

Die Union stärkte derweil der aus Baden-Württemberg stammenden Politikerin den Rücken. Der CDU-Landeschef Thomas Strobl sagte dem Focus: "Ich habe keinen Grund, anzunehmen, dass irgendetwas faul ist an der Doktorarbeit von Annette Schavan."

Schavan hatte nach dem Studium der Erziehungswissenschaft, der Philosophie und der Katholischen Theologie in Bonn und Düsseldorf 1980 mit der Arbeit "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" den Doktortitel erworben.

Schavan ist seit 2005 Bildungsministerin und zählt zu den engsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). 2009 wurde sie zur Honorarprofessorin der Freien Universität Berlin ernannt und führt deshalb auch einen Professorentitel.