bedeckt München 24°

Plagiatsvorwürfe gegen Bundesbildungsministerin:Dr. Schavan in der Pflicht

"Dokumentation mutmaßlicher Plagiate" heißt das Werk, mit dem Unbekannte die Bildungsministerin überführen wollen, in ihrer Dissertation abgekupfert zu haben. Bisher fehlt jeder Beleg für die Anschuldigungen. Dennoch muss Annette Schavan die Vorwürfe jetzt ernst nehmen und sich bemühen, sie öffentlich zu entkräften.

Darf man solche Vorwürfe ernst nehmen? Am Mittwoch haben Unbekannte gut 40 Seiten Papier ins Internet gestellt, " Dokumentation mutmaßlicher Plagiate" heißt das Werk - mit dem sie die unbescholtene Bundesbildungsministerin Annette Schavan in eine Reihe mit Täuschern wie Karl-Theodor zu Guttenberg stellen. Doch für ein solches Urteil fehlt bisher die Grundlage.

Bundesbildungsministerin Schavan zum Wissenschaftsfreiheitsgesetz

Bundesbildungsministerin Schavan sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, für ihre Dissertation plagiiert zu haben. Bisher gibt es keine Beweise.

(Foto: dapd)

Keine unabhängige Stelle hatte bisher Gelegenheit, die angeblich von Schavan plagiierten Bücher, Werke aus den siebziger Jahren, zu überprüfen. Vielleicht sind nicht nur die Vorwürfe falsch, vielleicht entpuppt sich das 40-Seiten-Papier selbst als Fälschung.

Was soll man von solch einem Angriff aus der Tiefe des Netzes halten? Dahinter könnten politische Gegner oder sogar Extremisten stecken, die in akademischer Wühlarbeit Schavan zu Fall bringen und deshalb ihr Gesicht verbergen wollen. Das wäre ein unedles Motiv.

Doch es könnten auch Wissenschaftler sein. Doktoranden, die Guttenberg und anderen Politikern Plagiate nachwiesen, hatten ihre Namen aus gutem Grund geheim gehalten: Sie wollen sich nicht den Ruf des Petzers und Nestbeschmutzers einhandeln und damit ihre wissenschaftliche Karriere beschädigen.

Letztlich ist es jedoch egal, wer die Vorwürfe warum macht. Wenn Schavan nun den Anonymus auffordert, sich zu erkennen zu geben, damit sie mit ihm über die Dissertation sprechen kann, so lenkt sie vom Wesentlichen ab: ob die Vorwürfe stimmen oder nicht. Wenn die Belege da sind, ist es letztlich egal, wer sie entdeckt hat. Schavan ist in der Pflicht, die Vorwürfe ernst zu nehmen und zu entkräften - und zwar öffentlich. Eine Ministerin ist schließlich nicht nur ein paar Plagiatejägern verantwortlich.