Plagiate in der Wissenschaft Schavan gibt Kampf um verlorenen Doktortitel auf

Sie wolle um ihre wissenschaftliche Ehre kämpfen, sagte Annette Schavan noch vor ein paar Wochen. Doch nun verzichtet sie auf Berufung gegen ein Gerichtsurteil - und akzeptiert damit den Verlust des Doktortitels. Die Begründung liefert sie gleich mit.

Die Aberkennung ihres Doktortitels wegen Plagiats hat Annette Schavan als Schmach erlebt. Das betont sie noch Ende März im Gespräch mit der Zeit. "Es ist mehr als eine Dissertation", sagt die CDU-Politikerin dem Blatt und kündigt an, um ihre akademische Ehre kämpfen zu wollen: "Das bin ich mir persönlich, aber vor allem der Wissenschaft schuldig." Doch nun, nicht einmal einen Monat später, verzichtet die frühere Bundesbildungsministerin auf Berufung gegen das Gerichtsurteil, das die Aberkennung für rechtens erklärt hatte, und beendet damit den Kampf um ihren Doktortitel.

Dies geht aus einer Erklärung hervor, die Schavan auf ihrer Homepage veröffentlicht hat: "Nachdem ich einige Tage über das Urteil des Verwaltungsgerichts in Düsseldorf nachdenken konnte, habe ich mich entschieden, keine Berufung einzulegen und damit die juristische Auseinandersetzung zu beenden", schreibt die 58-Jährige.

Das Gericht hatte die Entscheidung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Schavan den Doktortitel zu entziehen, am 20. März bestätigt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Schavan in ihrer vor mehr als 30 Jahren eingereichten Dissertation "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" getäuscht hat. Dies stelle einen "gravierenden Verstoß gegen die wissenschaftliche Redlichkeit" dar.

Unversöhnliche Worte

In ihrer Erklärung bekräftigt Schavan, dass ihr der akademische Grad zu Unrecht entzogen worden sei. Sie habe geklagt, "weil ich den Vorwurf der Täuschung zurückweise". Zahlreiche Wissenschaftler, die sich mit ihrer Dissertation beschäftigt hätten, seien "zu gänzlich anderen Bewertungen der Vorwürfe" gekommen. Sie kritisiert einmal mehr das Verfahren ihrer Alma Mater bei der Überprüfung ihrer Arbeit: Dabei seien die Grundregeln der Wissenschaftsethik missachtet worden.

Dennoch will Schavan das Kapitel Doktorarbeit jetzt abschließen: Sie bereite sich auf neue Aufgaben vor und freue sich darauf. Nach ihrer langjährigen politischen Karriere soll Schavan, die derzeit noch Bundestagsabgeordnete ist, deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom werden. Ihre Berufung in den Vatikan ist jedoch umstritten: Für konservative Katholiken ist die geplante Entsendung Schavans wegen deren liberaler Einstellung unter anderem zum Thema Pränataldiagnostik ein "Affront".

Der Umgang der Wissenschaft mit der überführten Plagiatorin ist indes durchaus unterschiedlich: Während die Ludwig-Maximilians-Universität in München Schavan in dieser Woche zum Rücktritt aus dem Hochschulrat gezwungen hat, will die Universität Lübeck ihr am Freitag einen Ehrendoktor verleihen. Es wird ihr fünfter sein.

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