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Software gegen Plagiate:Schwachpunkt der Software? Übersetzungsplagiate

Fällt die Software auch ein Gesamturteil über eine geprüfte Arbeit?

Ja. Wenn maximal 0,5 Prozent der kompletten Arbeit so in anderen Texten vorkommen, braucht man sich aus Plagiatssicht keine Sorgen zu machen. Je höher der Wert, desto eher sollte man sich mit den Funden konkret auseinandersetzen. Drei Prozent können bedeuten, dass ein Anhang erkannt wurde, der so identisch kopiert werden darf - aber auch, dass in einer einhundertseitigen Doktorarbeit drei Seiten komplett abgekupfert wurden.

Lässt sich die Software auch komplett überlisten?

Jede Plagiatserkennungssoftware hat den gleichen Schwachpunkt wie ein menschlicher Korrektor auch: Übersetzungsplagiate. Wenn Studierende Texte aus einer Fremdsprache übersetzen und dann noch paraphrasieren, ist das kaum zurückzuverfolgen. Ähnliche Stellen gibt es laut den bisherigen Daten von VroniPlag ja auch in der Dissertation von Franziska Giffey. Und um die zu finden, hat ein versierter Prüfer Hunderte Stunden gebraucht. Wie gesagt: Die Software ist ein Tool, um menschlichen Prüfern die Arbeit zu erleichtern. Um Auffälligkeiten komplett zu vermeiden, ist sehr viel Aufwand nötig - gerade diesen scheuen Plagiatoren aber in der Regel.

Manche Studierende schreiben ihre Arbeiten gar nicht selbst, sondern bezahlen zum Beispiel Agenturen für akademisches Ghostwriting. Sie arbeiten daran, diese Form von Betrug zumindest zu erschweren.

Unser "Schreibstil-Erkennungs-Tool" ist derzeit in der Testphase. Es analysiert häufig verwendete Worte, Satzlängen und -strukturen, Grammatik, Fremdwörter und so weiter, und vergleicht das mit Arbeiten, die der Autor im Verlauf des Studiums eingereicht hat. Unterscheiden sich die Schreibstile signifikant, kann das ein Hinweis darauf sein, dass der vorgebliche Autor den Text gar nicht selbst geschrieben hat. Aber Vorsicht: Es kann natürlich auch sein, dass sich der Studierende einfach stark verbessert hat. Das abschließend zu beurteilen, ist Aufgabe des Dozenten.

Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, will an seiner Uni kein akademisches Klima mit "ständigem Ausbauen der Kontrollen". Auch viele Studierendenvertreter sprechen vom Generalverdacht, wenn jede Arbeit digital auf Plagiate geprüft werden soll. Wie sehen Sie diese Haltung?

Wenn irgendwo ein stationärer Blitzer installiert wird, bedeutet das ja auch nicht, dass alle Autofahrer unter Generalverdacht gestellt werden. Es bedeutet nur, dass überprüft wird, ob sich alle den Vorgaben entsprechend verhalten. Und diejenigen, die das nicht tun, müssen die Konsequenzen tragen. Schließlich soll der Blitzer nur die Unfallquote senken.

In Mainz investiert man viel Geld und Zeit in Prävention: Mit Schreibwerkstätten, Seminaren und Arbeitsgruppen zum Thema "Akademische Integrität".

Plagiatsprävention finde ich super. Mir wäre es am liebsten, wenn die Studierenden originelles und wissenschaftlich korrektes Arbeiten von vornherein erlernen und anwenden. Dann würde es auch deutlich weniger Plagiate geben, und schon gar keine unbeabsichtigten.

Und Ihre Software würde nicht mehr gebraucht?

Wenn mehr Aufklärung wirklich irgendwann dazu führt, dass Plagiate nicht mehr vorkommen, suche ich mir gerne eine andere Aufgabe.

© SZ.de/kaeb

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