Schule Lob für Deutschlands Bildungssystem

Ein türkisch-deutscher Kindergarten in Hamburg (Archivbild).

(Foto: Getty Images)
  • Die OECD veröffentlicht ihre neue Studie "Bildung auf einen Blick 2018".
  • Deutschland mache in vielen Bereichen Fortschritte, etwa bei der frühkindlichen Bildung.
  • Hierzulande haben deutlich weniger junge Menschen keine berufliche Perspektive als in den restlichen OECD-Ländern.

Fehlende Kitaplätze, Lehrermangel, marode Schulgebäude - Deutschlands Bildungspolitiker haben aktuell gleich mehrere Großprojekte zu lösen. Da dürften sie sich freuen, dass eine neue Studie, "Bildung auf einen Blick 2018", der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dem hiesigen Bildungssystem gleich in mehrerlei Hinsicht ein gutes Zeugnis ausstellt.

Deutschland hat demnach in den vergangenen Jahren in der Bildung in einigen Bereichen deutlich aufgeholt. So besuchen weit mehr Kinder als früher eine Kita. Der Anteil der unter Dreijährigen, die frühkindliche Bildungseinrichtungen besuchen, stieg von 17 Prozent im Jahr 2005 auf 37 Prozent im Jahr 2016. Der Anteil junger Erwachsener ohne Gymnasial- oder vergleichbaren Abschluss sank binnen zehn Jahren leicht von 15 auf 13 Prozent. Die Mehrheit der Jugendlichen mit Berufsausbildung oder Uniabschlüssen habe gute Berufschancen. Für junge Erwachsene mit einem Abschluss im mittleren Qualifikationsbereich ist die Beschäftigungsquote binnen zehn Jahren um sechs Prozentpunkte auf 83 Prozent angestiegen.

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Das Bundesbildungsministerium hob hervor, Deutschland stehe mit beruflicher und akademischer Bildung gut da. Das erleichtere auch die Integration junger Zuwanderer. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte: "Berufliche Bildung und akademische Bildung sind bei uns gleichwertige und zukunftsfähige Karrierealternativen."

Dass die Systeme funktionieren, zeigt ein weiteres Ergebnis der OECD-Studie. Nur jeder zehnte 15- bis 29-jährige Deutsche befindet sich demnach weder in Arbeit noch in Schule oder Ausbildung. Dies ist einer der niedrigsten Anteile in den OECD-Ländern. Allerdings: Unter den im Ausland geborenen Menschen ist jeder Vierte davon betroffen. Als Grund dafür nennt die OECD die hohe Zahl von Flüchtlingen, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland kamen. Für Einwandererkinder wie auch für Kinder aus ärmeren Familien kann ein Aufstieg durch Bildung immer noch schwierig sein.

Das deutsche System mit seinem Nebeneinander von akademischer und beruflicher Bildung leiste aber auch bei der Integration eine Menge. Die Beschäftigungsquoten von Menschen, die in Deutschland geboren wurden und solchen, die vor dem 15. Lebensjahr nach Deutschland eingewandert sind, unterscheiden sich kaum: Die Beschäftigungsquote im mittleren Qualifikationsbereich liegt gleichauf bei jeweils 82 Prozent. Im höheren Qualifikationsbereich, also bei Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss beträgt die Differenz in der Beschäftigungsquote lediglich einen Prozentpunkt (91 Prozent für in Deutschland Geborene, 90 Prozent für jung Eingewanderte). Für diese Werte spiele unter anderem die frühkindliche Bildung eine wichtige Rolle. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher sagte, vor allem da habe sich enorm viel getan in Deutschland.

Dennoch hob er hervor: "Kinder aus ungünstigen sozialen Schichten, die es am dringendsten brauchen, bekommen in Deutschland am wenigsten frühkindliche Bildung. Diese soziale Schere ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen."