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OECD-Bildungsstudie:Wo Deutschlands Doktoren leben

Uni Göttingen - Hörsaal

Studierende in Göttingen: Wo leben Deutschlands Akademiker?

(Foto: dpa)

In welchem Bundesland finden Akademiker am einfachsten einen Job? Wo leben die Geisteswissenschaftler, wo die Ingenieure? Und was ist die Hochburg der Promovierten? Ein Überblick in sechs Karten.

Mit einem Studium findet man leichter einen Job als mit einer Lehre - das dachte man zumindest lange. Es ist auch nicht ganz verkehrt, aber mittlerweile haben sich die Arbeitsmarktchancen beider Gruppen in Deutschland recht stark angenähert: 2018 hatten 84 Prozent der jungen Menschen mit beruflicher Qualifikation eine Arbeit, zehn Jahre zuvor waren es 78 Prozent. Der Wert der beschäftigten Akademiker blieb in der Zeit mit 88 Prozent stabil. Obwohl inzwischen beide Gruppen auf dem Arbeitsmarkt ähnlich gefragt zu sein scheinen, verdienen Akademiker im Schnitt weiterhin deutlich mehr. Ihr Einkommensvorsprung ist in Deutschland sogar größer als in anderen Ländern.

Dies ist eines der überraschenden Ergebnisse der aktuellen Ausgabe der Studie "Bildung auf einen Blick", die am Dienstag vorgestellt wurde. Jahr für Jahr trägt die Industrieländer-Organisation OECD darin Zahlen und Daten zur Bildung in den Mitgliedsstaaten zusammen. Jetzt wurde zusätzlich zum internationalen auch ein Bundesländervergleich vorgestellt - mit ebenfalls interessanten Einblicken. Wo leben in Deutschland die meisten Akademiker? Welche Fächer haben sie studiert? Wo beginnen junge Menschen am häufigsten ein Studium?

Im Süden ist der Anteil der Menschen mit Studienabschluss höher als im Norden, in den Stadtstaaten höher als in den Flächenländern. Insgesamt haben in Deutschland gut 30 Prozent der Menschen zwischen 25- und 64 Jahren ein Studium abgeschlossen. Damit gibt es weniger Akademiker als in anderen vergleichbaren Ländern. Im OECD-Schnitt haben 37 Prozent der Bevölkerung studiert.

Auch die Absolventinnen und Absolventen der verschiedenen Fächer verteilen sich unterschiedlich über das Land. Akademiker in den Stadtstaaten haben überdurchschnittlich oft ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Fach abgeschlossen, in Berlin sind es zum Beispiel 30 Prozent.

Ein fast entgegengesetztes Bild ergibt sich, wenn man auf die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer und die Ingenieurstudiengänge schaut. In Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen hat ein besonders hoher Anteil der Akademikerinnen und Akademiker ein sogenanntes MINT-Fach studiert. Wirtschaftsvertreter bemängeln zwar häufig, es gäbe zu wenig MINT-Absolventen in Deutschland. Im internationalen Vergleich relativiert sich die Klage allerdings schnell: 35 Prozent der Akademiker in Deutschland haben einen Studienabschluss in einem dieser Fächer - so hoch ist der Anteil in keinem anderen OECD-Land. Im OECD-Schnitt liegt der Anteil der Akademiker mit MINT-Abschluss bei 25 Prozent.

Deutschland ist auch ein Land der Doktoren, der Titel wird gepflegt und gehegt, auf Visitenkarten, Klingelschildern und sogar in amtlichen Ausweisdokumenten vermerkt. 1,4 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland haben eine Promotion abgeschlossen, im OECD-Schnitt sind es nur 1,1 Prozent. Innerhalb Deutschlands gibt es wieder deutliche regionale Unterschiede: Die Doktoren finden sich vor allem in den Stadtstaaten. Das mag daran liegen, dass in den Metropolen der Akademikeranteil höher ist. Aber auch daran, dass dort die großen Universitäten sind - der Ort, an dem viele promovierte Wissenschaftler arbeiten.

Ein Studium gilt gemeinhin als eine der besten Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit. Das zeigen auch die Daten: Die Erwerbslosenquote unter Akademikern lag in Deutschland im vergangenen Jahr bei 1,9 Prozent - im OECD-Schnitt waren es 3,9 Prozent. Aber es kommt immer auch auf die Region an. In Berlin waren 3,1 Prozent der Akademiker arbeitslos. Über alle Qualifikationsniveaus hinweg lag die Erwerbslosenquote in der Hauptstadt bei 5,7 Prozent.

Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Menschen mit Hochschulabschluss in Deutschland zwar geringer. Allerdings nehmen mehr und mehr junge Menschen ein Studium auf. Aktuell sind es fast 52 Prozent eines Altersjahrgangs, in den Stadtstaaten sind es teils über 80 Prozent. Diese Werte kommen zustande, weil in den Städten mehr Schülerinnen und Schüler das Abitur machen. Zur hohen Quote trägt aber auch bei, dass junge Menschen vom Land oft zum Studium in die Metropolen ziehen.

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