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Neue Kolumne "Der Referendar":Von Arschkriecherei bis Anschwärzen

Bereits im Studium kursieren Geschichten von schrecklichen Seminarlehrern, die die Referendare zu Knechten machen und keine anderen Ansichten und Methoden als die eigenen dulden. Die Schauergeschichten reichen von verdeckter Schikane über offenes Mobbing bis hin zu Fällen, in denen der Seminarlehrer den Referendar derart erniedrigt, bis dieser das Referendariat abbricht, um sein Glück bei einem Taxiunternehmen oder im Supermarkt um die Ecke zu finden.

Schulalltag

Die nervigsten Lehrer-Typen

3) Die Kollegen (=andere Referendare)

Anstatt an einem Strang zu ziehen, um sich in freier Wildbahn besser gegen Fressfeinde wie Direktoren, Seminarlehrer, Schüler und Eltern behaupten zu können, zerfleischen sich Junglehrer dem Hörensagen nach in kannibalischer Manier gegenseitig. Von Arschkriecherei bis Anschwärzen ist im erbitterten Kampf um eine spätere Festanstellung beziehungsweise Verbeamtung jedes Mittel recht. Frei nach Kurt Tucholsky: "Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen."

4) Die Schüler

Die wenigsten Referendare sind von Tag eins an die Souveränität in Person. Und besonders Jugendliche können gnadenlos sein, umso mehr, wenn sie Schwächen beim Gegenüber feststellen. Da wird die gehbehinderte Junglehrerin als "Humpelstilzchen" bezeichnet, der leichte Sprachfehler des Referendars übertrieben nachgeahmt oder seine Anwesenheit von der gesamten Klasse einfach ignoriert.

Die irrsten Lehrersprüche

"Gehirn wie ein Schweineschwanz - anderthalb Windungen"

Die schlimmste Schülergeschichte, die ich bisher gehört habe: Eine Mittelstufenschülerin war mit ihrer Benotung unzufrieden und beschwerte sich beim Referendar. Als der Kollege hart blieb, drohte sie ihm: "Dann sage ich meinem Vater eben, Sie hätten mich angefasst!" Der Fall ging glimpflich aus, weil ein Mitschüler Zeuge des Erpressungsversuchs wurde und für den Referendar eintrat. Auch wenn ich bisher fast durchweg positive Erfahrungen mit Schülern gemacht habe - sowas macht Angst.

5) Die Eltern

Es ist naiv, davon auszugehen, die Eltern würden einen im Erziehungs- und Bildungsauftrag unterstützen. Häufig ist das Gegenteil der Fall: Sie gehen automatisch in Verteidigungshaltung und wollen das Kind vor jedem kritischen Wort schützen. Schuld am schulischen Misserfolg ist nicht der Schüler. Schuld sind die Tabletten gegen ADHS (nicht richtig eingestellt), die Mitschüler (vor allem dieser Leon), das G8 (ein bildungspolitischer Skandal), das "System" im Allgemeinen. Allen voran natürlich die Lehrer - und ganz besonders der Referendar, der dem Schulalltag überhaupt nicht gewachsen sei und die Schüler durch seine eigene Unsicherheit vollkommen verunsichere.

O-Ton einer Mutter, mit der es eine ehemalige Kommilitonin im Ref vor den Sommerferien zu tun bekam: "Ich will Sie jetzt nicht beleidigen - aber sind Sie sicher, dass Sie im richtigen Beruf sind!?"

Wir werden sehen.

Kolumne "Der Referendar"

Pascal Grün ist 27 Jahre alt und unterrichtet als Referendar an einem bayerischen Gymnasium die Fächer Französisch und Spanisch. Auf SZ.de berichtet er regelmäßig über seine Erlebnisse als Referendar. Pascal Grün ist ein Pseudonym - zu seinem eigenen Schutz und zum Schutz der Personen, über die er schreibt. Ansonsten ist "Der Referendar" aber maximal offen und ehrlich.