Nebenjobs im StudiumHeute bin ich ein Osterei

Kellnern? Langweilig! Welche aufregenderen Nebenjobs im Studium es gibt - eine Typologie.

Nebenjobs - eine Typologie: Studentin mit Pistole

Einen Job finden, der mehr als fünf Euro die Stunde bringen sollte - das war die Mission für diesen Samstag. In jedem Geschäft der Fußgängerzone die gleiche Frage: "Suchen Sie noch Studenten als Aushilfe?" Im Schmuckladen am Ende der Straße nickte die Verkäuferin bedächtig: "Ja, wir suchen." Am Samstag darauf ging es los, Ringe für 1,95 Euro, Ketten für das Doppelte, Mitarbeiter bekamen 50Prozent auf alles. In den Pausen gab es Lachs, Sekt und Mon Chéri, die Kolleginnen waren im besten Frührentner-Alter - und höchst misstrauisch. Bei Ausländerinnen galten spezielle Dienstanweisungen, "denn die stehlen wie die Elstern". Wer versuchte zu diskutieren, wurde zum Putzdienst bei laufendem Betrieb eingeteilt - oder, schlimmer noch, ins Lager zum Katalogisieren geschickt. Jeder 1,95-Euro-Ring hatte eine sechsstellige Nummer, eine weitere dreistellige gab die Farbe an. Die "Schmuckstücke" wurden in Tütchen gesteckt, die wiederum mussten sorgfältig verschlossen werden, um den Staub, der zwischen leeren Sektflaschen und halb vollen Pralinenschachteln im Lager herumwirbelte, abzuhalten. Eines aber machte Spaß: Zu jener Zeit ließen sich die Klein-Gangster der Stadt "Brillanten" ins linke Ohrläppchen schießen. Die Studentin durfte die Pistole bedienen, zitternde Jungs über Risiken und Nebenwirkungen aufklären. "Alles halb so schlimm." Galt irgendwie für uns alle. Charlotte Theile

16. Oktober 2014, 10:332014-10-16 10:33:48 © SZ vom 16. Oktober 2014/jobr