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NC-Urteil:Limit für die Wartezeit: vier Jahre zum Beispiel

Es ist dieser Teil des Urteils, der die größten Chancen für die Zukunft eröffnet. Denn die extreme Verengung des Hochschulzugangs bei Medizin hat dazu geführt, dass der Unterschied zwischen Eignung und Nichteignung zum Arztberuf durch ein, zwei Notenzehntel definiert wird - was absurd ist. Der Erste Senat dagegen verweist darauf, dass ein vorzüglicher Abi-Schnitt zwar für den theoretischen Studienteil gute Voraussetzungen schafft, aber nicht unbedingt für den klinischen. Und über die sozial-kommunikative oder empathische Kompetenz sage er sowieso nichts.

In der nun bis Ende 2019 notwendigen Erweiterung der Kriterien liegt das Potenzial zur echten Reform. Bewerber, die sich jahrelang als Rettungssanitäter durchgeschlagen haben, müssten damit bessere Chancen haben, glaubt Klägeranwalt Michael Schacht.

Und doch bleibt das Urteil eines, das nur den Mangel verwaltet - gerechter und transparenter zwar, aber der Richterspruch allein wird die Knappheit an Medizinstudienplätzen nicht aus der Welt schaffen. Man kann dies beim Thema Wartezeit ablesen: 20 Prozent der Bewerber erhalten ihre Plätze derzeit durch Warten.

Die Richter monieren zu Recht, dass 14 oder 15 Semester Wartezeit nicht hinnehmbar sind, schon deshalb, weil der Studienerfolg dann nachweisbar schlechter wird. Sie fordern, dass ein angemessenes Limit hermuss - vier Jahre zum Beispiel. Nur heißt das gerade nicht, dass am Ende der vier Jahre ein Studienplatz wartet. Ein Recht auf "chancengleichen Zugang zum Hochschulstudium" gebe es nur im Rahmen der bestehenden Kapazitäten, es gebe keinen Anspruch auf Schaffung neuer Studienplätze, schreibt das Gericht. Und fügt hinzu: Chancengleichheit schließt das "Risiko eines Fehlschlags" mit ein.

Das Urteil ist pragmatisch

Damit ist das Urteil zugleich ein nüchterner Abschied von den hehren, vielleicht auch ein wenig wolkigen Teilhabeansprüchen der 1970er-Jahre. Aus dem Numerus-clausus-Urteil von 1972 klang noch der sehr forsche Anspruch an den Staat, er möge doch bitte ein paar neue Studienplätze schaffen, wenn es einen so riesigen Bewerberüberhang gebe. So ein Numerus clausus sei überhaupt nur zulässig, wenn die Ausbildungskapazitäten an den Universitäten wirklich ausgeschöpft seien, schrieben die Richter damals.

Daraus hatte sich eine kleine Klageindustrie entwickelt. Wer zwar nicht die Noten, aber das Geld hatte, konnte sich unter Umständen auf einen Medizinstudienplatz einklagen, den die Fakultäten dann - wie auch immer - einrichten mussten. Es wehte also eine Brise Bildungseuphorie durchs Grundgesetz. Das neue Karlsruher Urteil wirkt daneben fast schon illusionslos pragmatisch. Aber für Studienplätze zu sorgen, ist vielleicht wirklich Sache der Politik.

© SZ vom 20.12.2017/lho/stein

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