Nachhilfe in den Ferien Sommer, Sonne, Schreibtisch

Sich am Strand vergnügen, Ausflüge unternehmen oder einfach so die freie Zeit genießen, fällt für viele Kinder und Jugendliche im Sommer flach. Sie nehmen Nachhilfe, weil Nachprüfungen anstehen oder ihre Eltern bessere Leistungen wünschen. Pädagogen sehen das kritisch.

Von Melanie Staudinger

Paul bleibt dieses Jahr zu Hause. Seine Eltern haben ihn bei Oma und Opa abgeliefert, bevor sie mit der kleinen Schwester an die italienische Adriaküste gefahren sind. Während die Familie im Meer planscht, liest er in München in seinen Mathe- und Englischbüchern, löst Aufgaben, lernt Formeln und Vokabeln. Zwei dicke Fünfen hatte es in diesen Fächern im vergangenen Schuljahr gehagelt. Nun steht die Nachprüfung an. Und die muss der 14-Jährige unbedingt bestehen, will er die neunte Klasse nicht wiederholen.

Damit das Lernen nicht so schwer fällt und der Fortschritt in der Abwesenheit der Eltern auch regelmäßig überprüft wird, geht er nun dreimal die Woche zur Nachhilfe. Ferien gibt es erst wieder, wenn er zu den Besseren der Klasse gehört.

Pauls Geschichte ist in einem Münchner Nachhilfeinstitut zu hören. Aus Rücksicht auf den Schüler will es nicht in Zusammenhang mit ihm genannt werden. Sicherlich ist Paul ein Extremfall, aber er teilt sein Schicksal mit vielen anderen Schülern. Was sogar erfahrene Pädagogen in Staunen versetzt, erleben die Verantwortlichen in Münchens Nachhilfeinstituten durchaus öfter.

Keine Pause im Sommer

Nachhilfeunterricht in den Ferien liegt im Trend. Mehr und mehr Kinder und Jugendliche haben keine Pause im Sommer. Sie sitzen über ihren Schulbüchern und büffeln den Stoff nach, den sie während des Schuljahres verpasst oder den sie glauben, versäumt zu haben. Einer Umfrage im Auftrag der Online-Lernplattform Scoyo zufolge lernen mittlerweile zwei Drittel aller deutschen Schüler in den Ferien. Die meisten von ihnen, ganze 79 Prozent, wiederholen den Schulstoff mit Eltern, Großeltern und Geschwistern. Sechs Prozent nehmen, wie Paul, einen Nachhilfelehrer - Tendenz steigend.

Für München sind die Zahlen nicht heruntergebrochen. Experten gehen aber davon aus, dass sich der Trend in der bayerischen Landeshauptstadt bestätigt - alleine schon wegen der überdurchschnittlich hohen Übertrittsquote an Gymnasien von 53 Prozent. Der bayernweite Schnitt liegt bei etwa zehn Prozent. Auch im Gespräch mit verschiedenen Anbietern von Sommerferienkursen merkt man schnell, dass sie nicht unzufrieden sind mit ihrem Geschäft.

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"Es wird ja überall Werbung gemacht für Mathe-Kurse in den Ferien", sagt Clara König. Sie besucht die zwölfte Klasse des Starnberger Gymnasiums und gehört dem Landesschülerrat an. Die ganzen Ferien zu lernen, findet sie übertrieben. "Der Stress sollte erst nach den Ferien anfangen", sagt König. Allerdings kenne auch sie Schüler, die den Unterrichtsstoff alleine nicht bewältigen könnten und auf Hilfe angewiesen seien.

"Unser Hauptklientel sind Gymnasiasten, Realschüler und Fachoberschüler", sagt Francesco Garita von der Paukkammer. Er bietet spezielle Kurse zur Vorbereitung auf die Nachprüfung an, aber auch für Schüler, die auf Probe vorrücken dürfen und daher Nachholbedarf haben. Für angehende Abiturienten gibt es die sogenannte Summer School - die Oberstufenschüler pauken hier meistens Mathe, weil sie in diesem Fach seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums verpflichtend eine Abiturprüfung ablegen müssen. Garitas Angebot, das zum Erfolg führen soll, heißt "100 Stunden Programm".

Immer zwei Tage sind für ein Fach reserviert, ein Lehrer gibt in Kleingruppen am ersten Tag 90 Minuten Nachhilfe. Der Folgetag dient dann zum eigenständigen Wiederholen mit Hausaufgaben, bevor es dann mit dem zweiten Fach losgeht. Dieser Lernplan wiederholt sich beständig. Bis die 100 Stunden voll sind - ein nicht zu unterschätzendes Pensum.

"Ein schnelles Vorankommen motiviert", sagt Garita. Er habe die Erfahrung gemacht, dass etwa 95 Prozent seiner Schüler engagiert mitmachen würden. "In den anderen fünf Prozent raten wir auch schon mal zum Abbruch, weil das sonst Geld- und Zeitverschwendung wäre", erklärt er.

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