Nach dem Missbrauchsskandal Chefs der Odenwaldschule lehnen Rettung ab

  • Einige Eltern wollen die Odenwaldschule unter neuem Namen wiedereröffnen.
  • Geschäftsführung und Schulleitung lehnen die Pläne ab, ebenso wie die Missbrauchsopfer.
  • Das Internat hatte nach einem Missbrauchsskandal Insolvenz angemeldet.
Von Tanjev Schultz

Beharrlich versuchen ein paar Eltern, die Odenwaldschule unter neuem Namen wiederaufleben zu lassen. Aber so einfach ist das nicht. Die Querelen an dem vom Missbrauchsskandal erschütterten Internat, das einen Insolvenzantrag gestellt hat, gehen immer weiter. Die bisherige Internatsleiterin und der Geschäftsführer, Sonya Mayoufi und Marcus Halfen-Kieper, gehen jetzt auf Distanz zu den Plänen - und kündigen. Sie wählen klare Worte: "Mangelnde Offenheit, unterschiedliche Eigeninteressen - leider auch Unterstellungen und Diffamierungen - prägen das Miteinander." So steht es in einem aktuellen Schreiben der beiden an Mitarbeiter und Eltern, das der SZ vorliegt.

Eine "neue" Schule müsste, nicht zuletzt wegen der schrecklichen Vergangenheit, von Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen geprägt sein, schreiben Mayoufi und Halfen-Kieper. Dieses Vertrauen sei aber nicht vorhanden. Deshalb stünden beide "für die Zukunft zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung".

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Auch in Kreisen der Missbrauchsopfer gibt es großes Unbehagen, dass eine von Eltern mobilisierte Investorengruppe den Betrieb möglichst bruchlos fortführen wolle. Der Vorsitzende des Opfervereins Glasbrechen, Adrian Koerfer, sagt, er und seine Mitstreiter würden den Kampf um den Erhalt der Schule "mit allergrösstem Misstrauen" verfolgen. Eine von der Schule ausgelagerte Stiftung für Entschädigungszahlungen stehe mit mehr als 300 000 Euro im Rückstand. Koerfer spricht von einem zwar verständlichen, aber dennoch problematischen "Tunnelblick" der Eltern, die sich um die Rettung der Schule bemühen. Er fordert einen klaren Bruch.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin Sylvia Rhein erklärte zu Beginn der Woche, es gebe bereits ein "glaubwürdiges Finanzierungskonzept". Eine gemeinnützige GmbH solle den operativen Schulbetrieb führen, das pädagogische Profil solle sich "an Bewährtem" orientieren. Das Gelingen der Pläne hänge davon ab, wie viele Eltern und Schüler der neuen Schule ihr Vertrauen schenken würden. Es müssten zudem Sozialpläne verhandelt werden. Ein Personalabbau sei unumgänglich.

Mayoufi und Halfen-Kieper äußern nun die Befürchtung, dass die Opfer der alten Odenwaldschule ein weiteres Mal zu Opfern werden könnten - "was ihre Ansprüche auf finanzielle Entschädigung betrifft, als auch im Hinblick auf das Gedenken und die Aufarbeitung der unvorstellbaren Verbrechen an diesem Ort". Die beiden stellen auch die Frage, ob es denn verantwortlich sei, wenn eine Neugründung mit einigen Mitarbeitern "jetzt nahtlos weitermacht".

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