Nach dem Bachelor Das Schrotflintenprinzip hilft nicht weiter

Allerdings hilft das Schrotflintenprinzip wenig weiter: Statt 15 lieblos zusammengestellte Bewerbungen zu verschicken, sollten Studenten besser auf fünf bis acht ausreichend Zeit und Mühe verwenden. Und darunter auch zwei oder drei an Hochschulen mit weniger Bewerberandrang schicken, denn ein hoher Andrang, mit dem die Hochschulen gerne auch werben, kann zwar ein Indikator für Qualität sein, muss es aber nicht. "Natürlich gehen viele Bewerbungen an die angesehenen Hochschulen, die für die Qualität ihrer Ausbildung bekannt sind. Aber auch ganz persönliche Vorstellungen spielen eine Rolle, deswegen wollen viele in beliebten Städten wie München, Hamburg oder Berlin studieren", sagt Verse-Herrmann. Eine geringere Bewerberzahl dürfe daher nicht mit mangelnder Qualität der dortigen Ausbildung gleichgesetzt werden.

Auf jeden Fall aber gilt: Je begehrter die Studienplätze, desto höher der Numerus Clausus (NC) und desto aufwändiger das Bewerbungsverfahren. Wenn sich mehr Studenten bewerben als Plätze vorhanden sind, müssen die Hochschulen den Zugang reglementieren. Sie lassen daher nur Bewerber bis zu einem bestimmten Noten-Grenzwert zu, setzen Sprachkenntnisse und bestimmte Qualifikationen voraus oder erwarten, dass im ersten Studium bestimmte Kurse absolviert oder Leistungen erbracht wurden.

Studium Büffeln für den Master-Platz
Bewerbung zum Studium

Büffeln für den Master-Platz

Mit einem sehr guten Bachelor-Abschluss hat man einen Platz für den Master sicher - so die weit verbreitete Vorstellung. Mehrere Unis fordern aber von Master-Bewerbern spezielle Tests. Eine fragwürdige Praxis.   Von Kevin Schrein

In den Natur- und Wirtschaftswissenschaften werde beispielsweise stark auf die Note geachtet oder auch darauf, ob genügend Credit Points in eine bestimmten Fachgebiet gesammelt worden seien, sagt Mateus. Vorab sollten Bewerber daher prüfen, ob sie diese Kriterien überhaupt erfüllen, sonst ist die Bewerbung von vornherein chancenlos.

Chancen auch ohne Top-Noten

Anders sieht es bei Auswahlverfahren aus, die manche Hochschule für ihre Masterprogramme durchführen. Hier können Kandidaten mit einer gut vorbereiteten Bewerbung unter Umständen ohne Top-Noten noch Punkte sammeln, wenn zum Beispiels das Motivationsschreiben originell und gut formuliert ist und zeigt, dass man sich mit den eigenen Zielen und den Anforderungen der Hochschule auseinandergesetzt hat.

Das fängt schon bei Kleinigkeiten an: Viele Bewerbungen werden ausgemustert, weil sie entweder formale Kriterien wie die Formatvorgaben nicht erfüllen oder schlicht schlampig sind. Wer auf vermeintliche Selbstverständlichkeiten wie Rechtschreibkontrolle oder vollständige Unterlagen achtet, hat schon einmal einen kleinen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern.

Dazu gehört auch eine frühzeitige Vorbereitung mit Blick auf die Bewerbungsfristen: Für das Zusammenstellen aller Unterlagen, das Verfassen von Motivationsschreiben und das Sammeln von Empfehlungsschreiben und Notenauszügen sollten sich Bewerber mehrere Wochen Zeit nehmen, bevor sie die Bewerbung in den Briefkasten werfen. Das bedeutet, dass sie sich bereits im letzten oder noch besser vorletzten Bachelor-Semester darum kümmern sollten, wenn sie nahtlos weiterstudieren möchten. Denn bei den meisten Masterprogrammen, die zum Wintersemester starten, liegt der Bewerbungsschluss im Frühling oder Frühsommer desselben Jahres.

Neben Zeugnissen, Notenauszügen und Nachweisen bestimmter Qualifikationen wie etwa den Ergebnissen von Sprachtests gehören zu den Bewerbungsunterlagen in der Regel ein Lebenslauf sowie ein Motivations- oder zumindest ein Anschreiben. Standardisierte Texte, bei denen nur noch Name und Adresse der jeweiligen Hochschule ausgetauscht werden, haben wenig Aussicht auf Erfolg.