Studium:Ironie wird überhört, Gedankenexperimente verkürzt

Das widerspricht der Idee der Universität, die ein Raum herrschaftsfreier Kommunikation sein soll, in dem allein das bessere Argument zu gelten habe. Es widerspricht auch der bundesrepublikanischen Erfahrung, dass die schärfsten Revoluzzer später Minister werden. In diesem Auftreten mischen sich Aggressivität und Kleinmut auf eine geradezu Pegida-hafte Weise. Allerdings gehören ehrabschneidende Polemik, anonyme oder pseudonyme Rezensionen und moralische Anschwärzereien zur Geschichte der Wissenschaften.

"Wenn er gekonnt hätte, hätte er uns längst exmatrikuliert", sagt "Caro Meyer" der SZ. Dem "allgemeinen Konformitätsdruck" könne man sich nicht entziehen.

Ob nun anonym oder nicht, die Kommentare sind arm an Gedanken und voller Stereotypen. Münkler stört, weil sein Rat viel gesucht wird, auch von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Aber ist eine Politik wünschenswert, die auf Expertise verzichtet? Münkler soll als Beispiel herhalten für den "Extremismus der Mitte", ein verrohendes Bürgertum. Das zu belegen, identifizieren die Blogger seine Positionen mit denen der von ihm behandelten Autoren, wie Machiavelli und Carl Schmitt, überhören Ironie, verkürzen Gedankenexperimente. Immerhin: An diesem Dienstag, so "Caro Meyer", habe Münkler Klischees vermieden.

Anfang Mai erwog "Münkler-Watch", es wäre "vielleicht gut gewesen, wenn die deutschen Faschist_innen sich nicht nur im Kontext des sogenannten ,Röhm-Putsches' und des ,Staufenberg-Putsches' gegenseitig umgebracht hätten". Wer immer das im Schutz der Unbelangbarkeit geschrieben hat, wird sich eines Tages dafür schämen, dass er die Männer und Frauen des 20. Juli noch einmal angefreislert hat.

Uni-Städte in Deutschland

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