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Münchner Universitäten:Das Elite-Experiment

Zwischen gesundem Wettbewerb und zeitfressendem Wahnwitz: Die Exzellenzinitiative geht in die letzte Runde. Die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität sind Elite-Unis - heute wird entschieden, ob sie diesen Status behalten und mit weiteren Forschungsgelder rechnen können.

Es wird ein Moment der Gemeinsamkeit, immerhin das ist sicher. In beiden Münchner Universitäten werden sich an diesem Freitag Gruppen von aufgeregten Menschen vor Bildschirmen versammeln - zum Exzellenzinitiative-Gucken. Sie werden gemeinsam bangen und hoffen, dass sich all die Mühen der vergangenen drei Jahre gelohnt haben. Um 15 Uhr werden in Bonn die Ergebnisse der zweiten und letzten Runde des Förderprogramms von Bund und Ländern bekanntgegeben. Dann wird sich zeigen, wer wie viele Millionen Euro bekommt.

Elite-Unis der Exzellenzinitiative

Das Biozentrum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in Martinsried. LMU wie die Technische Universität dürften ihre Elite-Status behalten.

(Foto: LMU)

Sowohl die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) als auch die Technische Universität (TU) haben einiges zu gewinnen, aber auch zu verlieren. Die erste Runde der 2006 gestarteten Exzellenzinitiative war für beide ein Erfolg. Die LMU bekam Förderzusagen in Höhe von 216 Millionen Euro, Bestmarke in Deutschland. Die TU durfte 150 Millionen Exzellenzeuros investieren. Beide Unis erhielten auch die sogenannte dritte Förderlinie zugesprochen, das heißt, sie firmieren als Exzellenz-Unis, griffiger: "Elite-Unis". Alle Zusagen, die sie damals bekamen, haben nun die Chance auf Fortführung. Zudem ist die LMU mit vier Neuanträgen im Rennen. Die TU hofft, dass zwei neue Vorhaben bewilligt werden.

In der gesamten Bewerbungsphase war bei den Hochschulleitungen ein nervöses Bemühen um Perfektion zu beobachten. Anstrengungen, die manchmal kuriose Auswüchse produzierten. Im vergangenen Herbst etwa bekamen LMU und TU mehrtägigen Besuch von Gutachtern, die die Zukunftskonzepte der Unis unter die Lupe nahmen, mit denen sie sich um den Elite-Status bewerben.

Die Präsentationen wurden akribisch vorbereitet, Kleiderordnung und Verhaltensmaßregeln bei kniffligen Fragen erlassen. Es gab eine große Anhörung mit geladenen Gästen aus der Universität und viele Einzelgespräche, alles auf Englisch, denn das gute Dutzend Gutachter kam mehrheitlich aus dem Ausland. Sie betrachteten die Universitäten im internationalen Maßstab. Zentrale Frage dabei: Welche Ziele steckt sich die Universität, und wie will sie diese erreichen, um internationales Ansehen zu gewinnen? Da musste man gelegentlich erklären, sagt ein Teilnehmer, dass in Deutschland Professorengehälter und Studentenzahlen begrenzt sind, das weiß ein amerikanischer Professor nicht.

Dieses Schaulaufen behagte längst nicht jedem. Insgesamt aber sei die Exzellenzinitiative ein "großartiges Experiment", meint Volker Rieble, Arbeitsrechtler an der LMU. Ein Experiment, das die Universitäten wach gerüttelt habe. "Früher gab es manchen Lehrstuhl nur deshalb, weil es ihn immer schon gab", sagt Rieble. Heute müsse sich jeder Wissenschaftler fragen lassen, ob seine Forschung die Universität insgesamt nach vorne bringe. Der Wettlauf um Geld und Renommee findet ja nicht nur zwischen Aachen und München, Konstanz und Berlin statt, sondern an jeder Universität zwischen den einzelnen Lehrstühlen. Das führt zu Neid und Konkurrenz. Auf der anderen Seite hat es, das sagen fast alle, eine neue Kommunikationskultur in den Institutionen geschaffen.

"Ich hätte nie gedacht, was das für eine Dynamik auslösen würde", erzählt Gunther Friedl, Dekan der Wirtschaftswissenschaften an der TU. Faszinierend sei es zu beobachten, wie Fakultätsgrenzen gesprengt würden und Forscher, die sich vorher nicht mit Namen kannten, jetzt intensiv zusammenarbeiteten. An dem Projekt zur künstlichen Intelligenz an der TU ("Cognition for Technical Systems") sind mehr als 100 Psychologen, Biologen, Ingenieure und Informatiker beteiligt. Die Exzellenzinitiative bewirkt zudem, dass sich die Unis mit externen Forschungseinrichtungen wie Max-Planck-Instituten oder der Helmholtz-Gesellschaft vernetzen. Auch untereinander sollen sie besser kooperieren.