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Mormonen-College BYU in Utah:"Die Herrlichkeit Gottes ist Intelligenz"

Uni mit Ehrenkodex: Weder Alkohol, Kaffee, Tee noch Sex vor der Ehe. Die Brigham Young University in Utah hat strenge Regeln. Im Gegenzug gibt es gute Bildung. Ein Besuch an der früheren Uni des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

Tyson Eckersley wartet, bis es ganz still im Zimmer ist. Er verbindet sich die Augen mit einem roten Tuch und setzt den Kopfhörer auf. "Bühne frei für Tyson", ruft einer seiner Kumpel, drückt den Play-Knopf des iPods und stellt die Lautstärke auf das Maximum. "Sing us a song, you're the piano man", trällert der 23-Jährige. Dass sich Tyson selbst nicht hören kann, ist der Reiz am iPod-Karaoke, das drei Studenten und sechs Studentinnen an diesem Abend spielen. Sie lachen, scherzen, reichen Kekse herum. Es wird dabei viel getrunken - und zwar stilles Wasser aus Plastikflaschen.

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"Jeder an der Brigham Young University hat einen Ehrenkodex unterzeichnet", sagt Tyson. Die 33.000 BYU-Studenten verzichten auf vieles, was im restlichen Amerika oft zum Alltag gehört: Alkoholische Getränke sind ebenso verboten wie Zigaretten, kein Kaffee oder Tee hält die Studenten beim Lernen wach, Sex vor der Ehe ist tabu. Tyson weiß, dass der Kodex auf Außenstehende befremdlich wirkt: "Wir Mormonen wachsen mit ähnlichen Regeln auf. Für uns sind sie keine Belastung und alle halten sich daran. So können wir alle Energie in die Ausbildung stecken." (mehr über den Alltag der Mormonen in dieser Süddeutsche.de-Reportage)

Diese Meinung hört man oft an der Brigham Young University in Provo, Utah. Das inoffizielle Motto der drittgrößten Privat-Hochschule der USA lautet "Die Herrlichkeit Gottes ist Intelligenz"; weil sie von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage finanziert wird, sind 98,5 Prozent der Studenten Mormonen und die Gebühren mit 2280 Dollar pro Semester für angloamerikanische Verhältnisse vergleichsweise niedrig - Nichtmormonen zahlen das Doppelte.

Auf dem Campus wirkt auf den ersten Blick alles normal: Die Studenten gucken ständig auf ihre iPhones, aus vorbeifahrenden Autos dröhnt Popmusik und viele tragen T-Shirts mit dem "Cougars"-Schriftzug - das erfolgreiche Football-Team war auch ein Grund für Tyson, nach Provo zu kommen. Erst allmählich bemerkt man, dass die Wege blitzsauber und alle Jungs glatt rasiert sind. Niemand ist tätowiert, kein Mädchen trägt einen kurzen Rock oder lässt die Schultern unbedeckt.

"Der 1949 eingeführte Ehrenkodex fordert, gehorsam zu sein und sich auf eine saubere und würdige Art zu präsentieren", sagt Sean Hollingshead. Den 14 Millionen Mormonen in aller Welt wird gepredigt, dass jeder durch sein Handeln das Image der Kirche präge. Der 24-jährige BWL-Student, der in der Pressestelle jobbt, sieht im Kodex nur Gutes: Wenn ein Student dagegen verstoße, werde er nicht rausgeschmissen, sondern erhalte Hilfe. So arbeite der Basketball-Star Brandon Davies, der aus dem College-Team flog, weil er Sex mit seiner Freundin hatte, weiter auf seinen Abschluss hin - und werfe nun wieder Körbe. Auch ohne Alkohol sei immer viel los: "2009 haben 794 BYU-Studenten einen Weltrekord aufgestellt, indem sie gleichzeitig Stein, Schere, Papier spielten."

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