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Baden-Württemberg:Erste Auswertung des Pilotprojekts stimmt optimistisch

So haben sie und die anderen Lehrkräfte der Schule viele Gespräche geführt, Regeln festgesetzt und im vergangenen Schuljahr einen ganzen Olweus-Tag mit den Schülern veranstaltet. Das Programm zielt stark darauf ab, allen Beteiligten bewusst zu machen, was Beleidigungen und Schikanen bei den Opfern auslösen. Es soll ein Bewusstsein geschaffen werden, durch das möglichst viele Schüler die Courage entwickeln, sich entweder bei Mobbing selbst für den Betroffenen einzusetzen oder brenzlige Situationen zumindest bei Lehrern und Eltern anzuzeigen. Das sei der schwierigste Schritt, räumt Rebecca Vorbach ein, viele hätten die Sorge, dann als Petze dazustehen. Psychologe Michael Kaess sagt: "Mobbing darf nichts sein, wo die Schüler wegschauen oder im schlimmsten Fall sogar noch applaudieren."

An den zehn Schulen, an denen Olweus seit dem Schuljahr 2015/16 eingeführt wird, scheint das zu gelingen. Bei den ersten Auswertungen nach zwölf Monaten gaben etwa 22 Prozent weniger Schüler an, im vergangenen Vierteljahr gemobbt worden zu sein. Auch der Prozentsatz an Schülern, die sich selbst als Täter eingeordnet hatten, sank unter den etwa 3000 befragten Schülern von 7,1 auf 5,9 Prozent. Aus Sicht von Kaess fast noch wichtiger ist ein weiteres Ergebnis: Diejenigen Schüler, die über eine Reduktion von Mobbing berichteten, hegten auch deutlich weniger Suizidgedanken. Den Psychologen stimmen die Daten auch insofern optimistisch, als in Vorgängerstudien zu Olweus das Programm erst nach zwei Jahren die besten Ergebnisse gezeigt habe. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Kaess.

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Rebecca Vorbach kämpft derweil mit der Aufmerksamkeitsspanne ihrer Neuntklässler. Waren die an dem fiktiven Chatverlauf noch sehr interessiert, beschäftigt sich der ein oder die andere lieber mit schulfremden Dingen, während es um Definitionen von Cybermobbing und rechtliche Fragen geht.

Das ändert sich erst, als es gegen Ende der Doppelstunde um die 13-jährige Megan geht. Dieser Fall ist leider nicht frei erfunden, sondern real. Die Schülerin hatte sich online in einen vermeintlichen Jungen verliebt, der in Wahrheit eine ehemalige Freundin war, die sich an dem Mädchen rächen wollte. Als der "Junge" plötzlich keinen Kontakt mehr mit ihr wollte, erhängte sich Megan. In der Klasse ist es still, viele gucken betroffen, die Geschichte geht ihnen nahe. "Wenn man sie in ihrer eigenen Lebenswelt abholt, bringt das den Schülern den größten Erkenntnisgewinn", sagt Vorbach später.

Auch abseits nackter Zahlen zeigt die Mobbing-Prävention an der Tulla-Realschule in Einzelfällen bereits Wirkung. Kürzlich habe der Vater eines Schülers einen von dessen Klassenkameraden angezeigt. "Ich will nicht beurteilen, ob das in diesem Fall die richtige Entscheidung war", sagt Vorbach. Es sei aber gut, dass der gemobbte Schüler überhaupt etwas zu seinen Eltern gesagt habe. "Früher hätte er das wahrscheinlich verschwiegen, um keinen Ärger zu bekommen. Für mich als Lehrerin ist das ein kleiner Erfolg." Für den betroffenen Schüler hoffentlich auch.

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