"MeToo"-Vorwürfe gegen Feministin Wie viel Nähe braucht das akademische Leben?

RONELLa_OpalFM_34149_03

Unorthodox, Zentrum eines Geniekults - und für ein Jahr von der Lehre suspendiert: die Literaturwissenschaftlerin Avital Ronell (hier auf einem Foto von 2010).

(Foto: Mantovani/Opale/Leemage/laif)

Die linke Intellektuelle Avital Ronell soll einen Doktoranden missbraucht haben. Es geht in dem Fall nicht nur um sexuelles Fehlverhalten, sondern um Macht an den Universitäten.

Von Klaus Birnstiel

Paris, im Frühjahr 2012: In einem Appartement in einem Viertel der französischen Hauptstadt, das wir uns als eine sogenannte bessere Gegend vorstellen wollen, liest ein junger israelisch-amerikanischer Doktorand der Literaturwissenschaften seiner Doktormutter, die als reife Frau zu bezeichnen die Grenzen des Anstands nicht verletzen sollte, Gedichte vor. Sie könne ihn nicht hören, sagt die Professorin, der junge Mann möge sich doch zu ihr auf die Bettkante setzen. Eingeschüchtert von ihrem universitären Rang und ihrer akademischen Würde leistet er Folge.

Die ...

"Me Too" war ein Gesprächsangebot - ihr lasst es verstreichen

Die Gesellschaft in Deutschland vergibt gerade die Chance, das Zusammenleben der Geschlechter zu verbessern. Die Öffentlichkeit hierzulande kann mit der Verletzbarkeit der Frau nicht umgehen. Gastbeitrag von Jagoda Marinić mehr...