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Mathematik:Sind Frauen wirklich schlechter in Mathe als Männer?

Rechnen

Eine Schülerin brütet über einer Rechenaufgabe an der Tafel.

(Foto: dpa)

Über diese Frage streiten Wissenschaftler erbittert. Es scheint allerdings plausible Gründe zu geben, warum Frauen in Mathematiktests oft schwächer abschneiden.

Es ist eine Frage, über der Freundschaften, Ehen und auch Karrieren zerbrechen können: Haben Männer von Natur aus mehr Talent für Mathematik als Frauen? Im Jahr 2005 hatte der damalige Harvard-Präsident Larry Summers behauptetet, die geringere Zahl von Frauen in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Spitzenforschung habe unter anderem mit "biologischer Tauglichkeit" zu tun. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung los, der am Ende einer der Gründe dafür war, dass Summers von der Harvard-Präsidentschaft zurücktreten musste.

Doch auch zwölf Jahre später ist die Sache mit den Geschlechtsunterschieden noch immer nicht abschließend geklärt, trotz erbitterter Diskussionen. Immerhin verheißen gute Leistungen in Mathe und Naturwissenschaften später auch im Schnitt ein deutlich besseres Gehalt. In den Pisa-Tests der OECD zeigen jedoch Jungen fast überall mehr Mathematik-Kompetenz als Mädchen, mit Ausnahme weniger Länder. In Deutschland liegt der Mathe-Rückstand der Mädchen seit vielen Jahren konstant bei einer rund drei Prozent niedrigeren Punktezahl.

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Lange wurden diese und ähnliche Differenzen auf eine Art selbsterfüllende Prophezeiung zurückgeführt: Wenn Frauen befürchten, sowieso genetisch benachteiligt zu sein, liefern sie in Tests schlechtere Leistung. "Bedrohung durch Stereotype", heißt das in der Sozialpsychologie, und diverse Laborexperimente schienen es zu bestätigen. Redete man weiblichen Probanden ein, dass Frauen in dem fraglichen Test schlechter abschneiden, blieben sie hinter den Männern zurück, während sie in der unbeeinflussten Kontrollgruppe gleichauf lagen.

Teils reichte es schon, Frauen nur an ihr Geschlecht zu erinnern, um den Effekt hervorzurufen. Etwa in einem Versuch von 1998, in dem US-Psychologen Probanden in Badekleidung Matheaufgaben lösen ließen. Kaum hatten die Frauen einen Badeanzug an, klappte es nicht mehr mit dem Rechnen, während die angezogenen Frauen - ebenso übrigens wie die Männer, ob in Badehose oder voll bekleidet - keinerlei Schwierigkeiten hatten. Aber ist der Einfluss der Stereotype wirklich so groß, zumal reale Mathetests selten halb nackt bearbeitet werden?

Inzwischen haben mehrere Untersuchungen die Stereotype-Bedrohung in Zweifel gezogen. In einer Metaanalyse stellten Gijsbert Stoet und David Geary 2012 fest, dass längst nicht alle seriösen Studien den Effekt reproduzieren können. Andere Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass allein das Publikationssystem die Sache aufbläst: Studien, die keinen messbaren Effekt zeigen, werden generell seltener veröffentlicht. Eine Ausnahme ist eine Studie von 2016 mit der vergleichsweise großen Zahl von 590 Probanden (Journal of Research in Personality) - von Stereotype-Bedrohung keine Spur.