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Masterplan fürs Medizinstudium:Zahl der Landärzte soll nicht künstlich erhöht werden

Unter Medizinstudenten gehen die Meinungen in der Frage, wie wichtig die Abiturnote sein soll, indes weit auseinander. In einer Befragung der Ärztegewerkschaft Hartmannbund sagten unlängst 48 Prozent der Studenten, dass die Note auch weiterhin eine zentrale Rolle im Zulassungsverfahren haben soll, 45 Prozent sahen das jedoch anders. "Bewährt" hat sich das bisherige System hingegen nach Ansicht des Medizinischen Fakultätentags, jedenfalls in seinen Grundzügen. Allenfalls ist der Verband dafür, die Wartezeitquote abzusenken, da dort der Studienerfolg "nachweislich geringer" sei als bei jenen Studenten, die über die Abiturquote oder die Zulassungsverfahren der Universitäten einen Platz erhalten haben. Ohnehin halten es die deutschen Unikliniken sowie die medizinischen Fakultäten laut einer gemeinsamen Stellungnahme für "nicht zielführend", die Zahl der Landärzte durch Eingriffe in die Zulassungsverfahren erhöhen zu wollen. Es handele sich bei dem Landarztmangel um ein "Verteilungsproblem, das nur durch eine Steigerung der Attraktivität des Berufes" lösbar erscheint.

Ein zweiter Ansatz, um die Zahl der späteren Landärzte schon im Studium möglichst zu erhöhen, besteht in einer Aufwertung des Faches Allgemeinmedizin. Derzeit gibt es mehr als 30 Fachgebiete, von der Anästhesiologie bis zur Urologie, nicht alle werden an allen Universitäten gelehrt. Immer wieder berichten Medizinstudenten jedoch davon, dass gerade die Allgemeinmedizin von Vertretern anderer Fachteile als vergleichsweise öde und anspruchslos dargestellt werde: Hier die Chirurgen, die komplizierte Operationen durchführen, dort die Allgemeinmediziner, die höchstens mal eine Spritze setzen dürfen.

Doch es geht in der Frage nicht allein um das Image: "In der Vergangenheit spielte die Allgemeinmedizin an vielen medizinischen Fakultäten quasi keine Rolle, das hat sich in der Zwischenzeit auf jeden Fall schon deutlich verbessert", sagt Ulrich Weigeldt vom Hausärzteverband. "Trotzdem ist es immer noch ein untragbarer Zustand, dass die Allgemeinmedizin, als das wichtigste Fach der Primärversorgung, nicht an jeder medizinischen Fakultät mit einem eigenen Lehrstuhl vertreten ist."

Medizinstudium Halbe Ärzte
Analyse
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Halbe Ärzte

Durch einen Fehler im System müssen jährlich Hunderte Medizinstudenten ihre Ausbildung unterbrechen - ohne zu wissen, wann es für sie weitergeht. Das muss sich dringend ändern.   Von Dorothea Grass

Dass die Allgemeinmedizin vergleichsweise schwach vertreten ist, hat historische Gründe: Seitdem Medizin an Universitäten gelehrt wird, bestand der klassische Fächerkanon stets aus Anatomie, Chirurgie und Innerer Medizin. Vor allem die Anatomie, also die Lehre vom Aufbau des menschlichen Körpers, prägt das Bild von angehenden Ärzten bis heute - und dort insbesondere der Präparierkurs, der nicht nur an der LMU München zum Pflichtstoff für Erstsemester gehört.

Mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin gefordert

Gleichwohl ist die Forderung, mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin einzurichten, derzeit recht populär: Auch nach Ansicht der Bundesärztekammer kann die Allgemeinmedizin am ehesten aufgewertet werden, indem an jeder Universität mit einer medizinischen Fakultät ein eigener Lehrstuhl besteht. Am besten gleich zu Beginn sollten Studenten an das Fach beziehungsweise an die Tätigkeit als Hausarzt herangeführt werden, heißt es dort. Als etwa zu Beginn des vergangenen Jahres an der Universität Erlangen-Nürnberg der erste reguläre Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Bayern entstand, sprach sich auch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) dafür aus, an jeder Universität eine entsprechende Professur zu schaffen. Seit wenigen Wochen gibt es im Freistaat nun einen zweiten Lehrstuhl: Mitte Juni wurde die seit 2009 an der Technischen Universität (TU) München bestehende Stiftungsprofessur in einen ordentlichen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin umgewandelt.

Ob der Schritt - abseits aller Fragen der Finanzierung - letztlich auch dazu führt, dass Medizinstudenten nach dem Abschluss des Studiums eine entsprechende Berufsentscheidung treffen, ist indes völlig offen. Gleiches gilt für den Vorschlag, die Allgemeinmedizin zum Pflichtteil im Rahmen des Praktischen Jahrs (PJ), das am Ende der Ausbildung steht, zu machen. Derzeit besteht das PJ aus drei gleich großen Teilen, davon sind die Chirurgie sowie die Innere Medizin in der Regel Pflicht - der dritte Teil kann von den Studenten frei gewählt werden. Laut der Befragung des Hartmannbunds können sich derzeit nur etwas mehr als sechs Prozent aller Studenten vorstellen, ihren Wahlteil in der Allgemeinmedizin zu verbringen.

Den Vorschlag, das Fach zur Pflichtstation im PJ zu machen, sehen viele kritisch. "Eine höhere Affinität zu einem bestimmten Fachgebiet lässt sich nur über die Steigerung seiner Attraktivität erreichen", heißt es dazu bei der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Attraktivität, das heißt vor allem: Weniger Arbeitsbelastung und mehr Geld für Hausärzte - nichts also, worauf die Hochschulen Einfluss nehmen könnten.

Uni-Städte in Deutschland