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Luxus-Studieren in Erlangen:"Wenn andere das machen, muss es doch auch bei uns gehen"

Die Erlanger Universitätsleitung hegt große Sympathie für ihre Studierenden. "Die hohen Fahrtkosten sind für unseren Standort nicht von Vorteil", gibt Kanzler Thomas Schöck zu. Seit Jahren führt er Gespräche mit dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) und den zuständigen Ministerien - ohne Ergebnis.

Auch der VGN steht den Forderungen der Studenten prinzipiell wohlwollend gegenüber, wie ein Sprecher bestätigt. Allerdings brauche der Verbund dann höhere Zuschüsse. Dies hat der Freistaat aber immer abgelehnt - genauso wie im Falle München, wo es überhaupt kein Semesterticket und seit Jahren Protestaktionen gegen die teuren Fahrpreise gibt.

Als einzig mögliche Lösung erscheint daher ein Solidarmodell, wie es in anderen Städten praktiziert wird: Alle Studierenden tragen über ihren Studentenwerksbeitrag die Finanzierung mit, unabhängig davon, ob sie die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen oder nicht. Der VGN käme dann auf einen Semesterpreis von gut 90 Euro. Doch dieses Modell birgt ein juristisches Risiko: Studenten, die den öffentlichen Verkehr nicht nutzen, könnten gegen den Pflichtbeitrag klagen. Dann müsste das Studentenwerk dem VGN Millionenbeträge erstatten.

Andere Bundesländer teilen diese Bedenken offenbar nicht: Im Rhein-Main-Verkehrsverbund kostet das Ticket 155 Euro, im Verkehrsverbund Stuttgart 179 Euro. "Dort wird möglicherweise eine andere Rechtsauffassung vertreten, das werden wir jetzt prüfen", sagt Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). "Wenn andere das machen, muss es doch auch bei uns gehen".

Maly will Bewegung in die stockenden Verhandlungen bringen. Mit den Partnern im VGN habe man beschlossen, die Zahl der studentischen Nutzer neu zu ermitteln und daraus einen aktuellen Preis zu kalkulieren.

Denkbar sei dann, so Maly, eine Testphase, in der man das Risiko einer Klage auf mehrere Partner verteilt - für Studenten immerhin ein Hoffnungsschimmer, auch wenn sich die Vorbereitungen laut Maly bis in nächste Jahr ziehen werden.