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Luxemburger Studie:Erfolg hängt vom Lehrer ab

Grundsätzlich scheinen laut der Studie traditionelle Ansichten über die Rollen von Männern und Frauen Schüler beiderlei Geschlechts gleich stark - und zwar negativ - zu beeinflussen. Jedoch ist diese Meinung bei Jungs offenbar viel weiter verbreitet als bei Mädchen und wirkt sich daher in den Ergebnissen auch stärker aus.

Warum sich Kinder von der Schule entfremden

Dass Mathematik und Geschichte mit zunehmendem Alter der Schüler und speziell in der Pubertät immer weniger wichtig für Heranwachsende werden, ist auch ohne wissenschaftliche Erkenntnisse eindeutig. Die Luxemburger und Schweizer Forscher jedoch konnten bei ihrer Untersuchung nachweisen, dass das Interesse am Schulunterricht massiv vom Freundeskreis - der Peergroup - beeinflusst wird. Da sich besonders Jungen nicht durch schulisches Engagement in ihren jeweiligen Peergroups Ansehen erwerben könnten, würden sie selbiges auch seltener zeigen. Zwischen der Einstellung im Freundeskreis und dem schulischen Erfolg konnten die Wissenschaftler jedoch keinen direkten Zusammenhang nachweisen.

Was jedoch in den Studienergebnissen deutlich wird: Je geringer das Interesse an der Schule, desto geringer auch der schulische Erfolg. So weit, so klar. Da mangelnder schulischer Ehrgeiz aber bei Schülern in der Studie häufiger und ausgeprägter auftrat als bei Schülerinnen, sind die recht deutlichen Leistungsunterschiede wenig überraschend.

Lösungsvorschläge

Der Erkenntnis wegen, dass Jungen mit ihren Leistungen gegenüber Mädchen immer weiter zurückfallen, machten sich die Forscher auch Gedanken darüber, wie man gegensteuern könnte. Ihr Vorschlag ist eigentlich eine Binse, aber wohl dennoch die zentrale Herausforderung für alle Lehrenden: Schulischer Erfolg hängt vom Lehrer ab.

Bei ihren Unterrichtsbeobachtungen stellten die Wissenschaftler fest, dass Jungs mit schlechten Leistungen am besten auf autoritative Unterrichtsstile mit einer strukturierten, engagierten, aber kontrollierten Einstellung des Pädagogen reagierten. Dies hat jedoch nichts mit überstrengen, autoritären oder mit harten Strafen verbundenen Methoden zu tun.

Die Studie zeigt ferner, dass unangebrachte Unterrichtsstile - das kann zu viel Strenge oder auch Laisser-faire sein - Entfremdungsgefühle von der Schule bewirken oder verstärken können. "Lehrer mit einem autoritativen Unterrichtsstil interessieren sich klar für ihre Schüler, lenken sie und sind bei Problemen für sie da", sagt Studienleiter Hadjar. "Diese Forschungsarbeit zeigt, dass Lehrer flexibel beim Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeiten sein müssen." Die Folgerung, dass Frontalunterricht gerade bei komplizierten (männlichen) Schülern nicht das Mittel der Wahl sein kann, liegt nahe.

Über die Studie

Durch Fragebögen, Gruppendiskussionen und Videoaufnahmen des Unterrichts sammelten die Forscher Daten von 872 Schülern, die alle im Schweizer Kanton Bern zur Schule gingen. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer betrug 14,9 Jahre. Die ermittelten Daten der Schüler verglichen die Wissenschaftler mit Ergebnissen von Tests und Klassenarbeiten.

© SZ.de/harl/hum

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