Ludwik Zamenhof:Für den Frieden

(Foto: imago)

In seiner Kindheit beobachtete der Esperanto-Erfinder, wie Sprachbarrieren zu Feindschaften führen können. Das wollte er ändern.

Von Joachim Göres

Ludwik Zamenhof (1859-1917) wurde in Białystok im heutigen Ostpolen geboren, das damals zu Russland gehörte. Er lernte schon in der Kindheit Deutsch, Französisch, Jiddisch, Russisch, Polnisch und Litauisch, später kamen Hebräisch, Latein und Englisch dazu. Er erlebte, wie Verständigungsschwierigkeiten zu Feindschaften zwischen den verschiedenen Nationalitäten in seiner Heimatstadt führten. Die wollte Zamenhof mit einer Brückensprache überwinden, die "dem Geist der Brüderlichkeit und des Friedens" dienen sollte. Der Name stammt vom Pseudonym Doktor Esperanto ("esperanto" bedeutet "ein Hoffender") ab, unter dem Zamenhof 1887 sein erstes Lehrbuch veröffentlichte. Mit etwa 1600 Mitgliedern ist der Deutsche Esperanto-Bund heute weltweit der größte nationale Esperanto-Verein.

Circa zwei Drittel der Esperanto-Begriffe stammen aus romanischen Sprachen, dazu gibt es Einflüsse aus germanischen und slawischen Sprachen. Hauptwörter enden auf -o (tago/Tag), Eigenschaftswörter auf -a (granda/groß), Umstandswörter auf -e (rapide/schnell), Verben im Infinitiv auf -i (lerni/lernen). Es gibt einen Artikel (la) und vier Fälle (la bona patro/der gute Vater; de la bona patro/des guten Vaters; al la bona patro/dem guten Vater; la bonan patron/den guten Vater).

In der Gegenwart endet das Verb in allen Personen auf -as (Hodiaŭ mi lernas/Heute lerne ich), in der Vergangenheit immer auf -is (Hieraŭ vi lernis/Gestern lerntest du), in der Zukunft immer auf -os (Morgaŭ li lernos/Morgen wird er lernen). Es gibt keine unregelmäßigen Verben.

© SZ vom 11.02.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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