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Lehrer mit Nazi-Tattoos:"Meine Ehre heißt Reue, das würde doch passen"

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg

Eingang zum Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, das über die Klage des Lehrer verhandelte.

(Foto: dpa)

Beim Schulsportfest zog der Lehrer Clemens K. sein T-Shirt aus und offenbarte mehrere Nazi-Tattoos. Ihm wurde gekündigt. Zu Unrecht, entschied nun ein Gericht - sichtlich widerwillig.

Irgendwann reichte es dem Vorsitzenden Richter Joachim Klueß. Nach den länglichen Ausführungen des Lehrers Clemens K. ergriff er das Wort und sagte: "Im Land Brandenburg sollte man rechtsradikale Lehrer nicht an die Schulen lassen." Klueß beendete seine kurze Rede mit der Bemerkung, das sei jetzt "vielleicht etwas emotionaler" gewesen. Denn er steckte in einer Zwickmühle: Klueß hatte in dem Berufungsverfahren vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg zu entscheiden, ob Clemens K. gekündigt werden durfte. Wegen eines Formfehlers sah er sich schließlich gezwungen, dem zu widersprechen.

Clemens K., 36, ein kräftiger Mann mit dunklem Haar und einem dichten Kinnbart, hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich: Er studierte Lebensmitteltechnik in Berlin, arbeitete bei einer Supermarktkette, um 2009 herum dann für eine Sicherheitsfirma, die auch der AfD Schutz bot. 2016 bewarb er sich als Seiteneinsteiger für den Lehrerberuf und begann den Vorbereitungsdienst an der Albert-Schweitzer-Oberschule in Hennigsdorf bei Berlin.

SS-Losung angeblich wegen schwerer Kindheit

Clemens K. war auf dem besten Wege, Beamter zu werden - wäre da nicht das Schulsportfest im Sommer 2018 gewesen. Es war heiß, Clemens K. zog während des Spiels sein T-Shirt aus, auf seinem Bauch zeigte sich großflächig eintätowiert die Losung der nationalsozialistischen SS "Meine Ehre heißt Treue". Auf seiner Brust waren weitere eintätowierte Nazi-Symbole zu sehen, darunter die "Schwarze Sonne", ein Ersatzsymbol für das Hakenkreuz. Nach einem weiteren Vorfall, in dem eine Lehrerin Clemens K. mit nacktem Oberkörper sah, kündigte ihm das Schulamt. Seitdem laufen mehrere Prozesse, darunter einer wegen einer Selbstanzeige von Clemens K.; die Staatsanwaltschaft Neuruppin hatte zudem einen Strafbefehl in Höhe von 2000 Euro beantragt, gegen den der Lehrer Einspruch einlegte. Inzwischen ist Clemens K. vom Vorbereitungsdienst in das Schulamt Neuruppin versetzt worden, wo er keinen Kontakt zu Schülern hat.

Clemens K. selbst sagt, er sei kein Rechtsextremist. Die SS-Losung habe er sich vor rund zehn Jahren wegen seiner schweren Kindheit eintätowieren lassen - ungefähr zu dem selben Zeitpunkt also, zu dem er in der Sicherheitsfirma begonnen hat. Er habe jedoch nicht gewusst, was die Tattoos bedeuteten, erläuterte Clemens K. Sie seien Körperschmuck, dessen Inhalt von der Kunstfreiheit gedeckt sei.

Vor dem Landesarbeitsgericht wurde nun eines von zwei Verfahren des Landes Brandenburg verhandelt, um Clemens K. zu kündigen. Für eine wirksame Kündigung hätte es jedoch erst einer Abmahnung bedurft, urteilte Richter Klueß. Als es um die Gesinnung des Lehrers ging, konnte er sich dennoch ein paar Bemerkungen nicht verkneifen: Wenn es zutreffe, dass sich Clemens K. nicht mit dem Inhalt der Tattoos identifiziere, dann sei es doch merkwürdig, dass er nicht versucht habe, sie zu entfernen oder zu verändern. Er hätte das "T" von Treue wegmachen lassen können, "Meine Ehre heißt Reue, das würde doch passen."

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