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Lehrermangel:"So kann man wirklich nicht Politik machen"

Senatorin Scheeres sagt denn auch, bei der Gehaltserhöhung sei es ihr gar nicht nur um eine bessere Position Berlins im Bieterwettstreit gegangen. Es gebe einen langfristig mindestens ebenso wichtigen Grund, den Grundschullehrern mehr Geld zu zahlen: "Weil ihr Studium und ihr Referendariat mittlerweile genauso lang sind wie das von Lehrkräften an weiterführenden Schulen - und damit gleichwertig." Ein Argument, das in immer mehr Bundesländern zutrifft und zugleich die Vertreter der Gymnasiallehrer auf die Barrikaden bringt.

So gerecht die Erhöhung aus Sicht der Grundschullehrer sein mag, insgesamt zeichnet sich eine fast absurde Entwicklung ab: Die Landesregierungen investieren immer höhere Summen in die Lehrergehälter, die schon vorher in der internationalen Spitzengruppe lagen, wie der Bildungsökonom Ludger Wößmann vom Münchner Ifo-Institut betont. Gleichzeitig sind immer noch viele Lehramtsstudiengänge mit einem Numerus Clausus belegt. Motivierte Bewerber werden also abgewiesen, weil es bundesweit an ausfinanzierten Studienplätzen mangelt.

Ein Ende der Wettbewerbsspirale ist auch deshalb nicht abzusehen. Schuld an ihr will keiner sein. Beispiel Sachsen: Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte erst vor wenigen Monaten angekündigt, zum Lehrerbeamtentum zurückzukehren. "Wir mussten notgedrungen nachziehen", sagt er fast entschuldigend. "Weil andere uns Lehrer abgeworben haben." Mit andere meint Piwarz vor allem den Nachbarn Thüringen. Der hatte schon Ende 2016 - mit Hinweis auf die anderen Bundesländer - entschieden, nach mehr als einem Jahrzehnt Pause ab sofort Lehrer wieder zu verbeamten. Woraufhin die Zahl der Bewerbungen in Sachsen einbrach.

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Viele Kultusminister tun derweil immer noch so, als sei die Bewerbermisere wie schlechtes Wetter über sie gekommen. Dabei war der Engpass seit Jahren absehbar. Schon 2009 hatte Baden-Württemberg eine 375 000 Euro teure Abwerbekampagne gestartet. "Sehr guten Morgen, Frau Lehrerin" und "Sehr guten Morgen, Herr Lehrer" war damals auf Plakatwänden auch in Berlin zu lesen. Geworben wurde unter anderem mit einem Vorteil, den es in den meisten Ost-Ländern damals nicht gab: die Verbeamtung. Umso erstaunlicher sei, sagt Wößmann, wie etliche Länder noch Jahre später und trotz deutlich gestiegener Geburtenraten mit ihren Bedarfsprognosen danebengelegen hätten. "So kann man wirklich nicht Politik machen", sagt der Bildungsökonom.

Zuletzt haben immerhin etliche Bundesländer ihre Studienplatzkapazitäten mit reichlich Verzögerung hochgefahren. Die Absolventenzahlen steigen. Doch angesichts der gestiegenen Gehalts- und Pensionslasten werden die Länder in ein paar Jahren vor einer ganz anderen Frage stehen: Können sie sich die zusätzlichen Lehrer überhaupt noch leisten? Oder haben sie ihre finanziellen Spielräume im Bieterwettbewerb verfrühstückt?

Die Kultusministerkonferenz hat kürzlich endlich eine neue Prognose zum Lehrerbedarf vorgelegt. Zudem, heißt es aus der KMK, hätten sich die Länder verständigt, "eine am eigenen Bedarf orientierte bedarfsgerechte Ausbildung von Lehrkräften zu organisieren". Und vor allem strebe die Ländergemeinschaft eine transparente und zeitnahe Information im Rahmen der KMK an. Soll wohl heißen: Die Länder wollen sich besser abstimmen. Schaut man sich die aktuellen Alleingänge an, ist es bislang bei der Absicht geblieben.

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