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Kunstsprache:Auch an deutschen Unis wird Esperanto gelehrt

Esperanto-Angebote an deutschen Hochschulen gibt es unter anderem in Leipzig, Münster und München. In Bamberg können Studierende dabei auch Punkte für ihren Abschluss erwerben. "Wirtschaftsinformatiker müssen mit einer neuen Sprache beginnen, nicht wenige wählen aus Neugier Esperanto. Auch im Studium Generale findet Esperanto Anklang. Das Interesse ist in den vergangenen zehn Jahren nicht geringer geworden, 15 Personen bekommen wir für einen Anfängerkurs zusammen", sagt Martin Haase, Professor am Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft der Uni Bamberg.

An der Hochschule Emden/Leer (Niedersachsen) können Studierende des Faches Soziale Arbeit Esperanto wählen und damit ihre Pflicht eines Sprachkurses erfüllen. "Wir haben immer mindestens 20 Teilnehmer. Viele kommen, die nicht gut in Fremdsprachen sind. Nach einem Semester sind sie nach übereinstimmenden Aussagen in Esperanto auf einem Niveau, für das sie früher in Französisch vier Schuljahre brauchten", sagt Dozent Sebastian Kirf.

125 Jahre Esperanto

Das erste deutschsprachige Lehrbuch des Esperanto-Erfinders Ludwik Zamenhof erschien 1887.

(Foto: Bayerische Staatsbibliothek/dpa)

Für die Zukunft sieht Peter Zilvar, Leiter des Deutschen Esperanto-Zentrums, trotz der vielerorts älter werdenden Esperanto-Gruppen dennoch nicht schwarz: "Durch das Internet haben zunehmend junge Leute Esperanto entdeckt und bringen es sich selbst bei. Die Idee, dass man über eine neutrale, leicht zu erlernende Sprache überall miteinander kommunizieren kann, bleibt faszinierend. Zudem kann man in fremden Ländern zu Esperantisten schnell Kontakte knüpfen und teilweise sogar bei ihnen übernachten." Organisationen, die Esperanto fördern, sind beim Vermitteln von Kontakten behilflich. Eine Idee, die laut Zilvar in China neuen Auftrieb bekommt: Dort wird in Schulen Esperanto teils als Pflichtsprache unterrichtet - mit dem Ziel, die Dominanz der Weltsprache Englisch zu brechen.

Auf seinem Portal www.esperanto.de veröffentlicht der Deutsche Esperanto-Bund in Berlin Hintergrundwissen zu der Kunstsprache sowie Informationen zu Ortsgruppen in verschiedenen deutschen Städten, zu Kursen und Veranstaltungen: Vom 13. bis 16. Mai findet der Deutsche Esperanto-Kongress in München statt. Esperanto-Liebhaber aus zahlreichen Nationen treffen sich vom 23. bis 30. Juli beim Weltkongress in Nitra in der Slowakei.

© SZ vom 11.02.2016/mkoh
Über Ludwik Zamenhof und Esperanto

Ludwik Zamenhof (1859-1917) wurde in Białystok im heutigen Ostpolen geboren, das damals zu Russland gehörte. Er lernte schon in der Kindheit Deutsch, Französisch, Jiddisch, Russisch, Polnisch und Litauisch, später kamen Hebräisch, Latein und Englisch dazu. Er erlebte, wie Verständigungsschwierigkeiten zu Feindschaften zwischen den verschiedenen Nationalitäten in seiner Heimatstadt führten. Die wollte Zamenhof mit einer Brückensprache überwinden, die "dem Geist der Brüderlichkeit und des Friedens" dienen sollte. Der Name stammt vom Pseudonym Doktor Esperanto ("esperanto" bedeutet "ein Hoffender") ab, unter dem Zamenhof 1887 sein erstes Lehrbuch veröffentlichte. Mit etwa 1600 Mitgliedern ist der Deutsche Esperanto-Bund heute weltweit der größte nationale Esperanto-Verein.

Circa zwei Drittel der Esperanto-Begriffe stammen aus romanischen Sprachen, dazu gibt es Einflüsse aus germanischen und slawischen Sprachen. Hauptwörter enden auf -o (tago/Tag), Eigenschaftswörter auf -a (granda/groß), Umstandswörter auf -e (rapide/schnell), Verben im Infinitiv auf -i (lerni/lernen). Es gibt einen Artikel (la) und vier Fälle (la bona patro/der gute Vater; de la bona patro/des guten Vaters; al la bona patro/dem guten Vater; la bonan patron/den guten Vater).

In der Gegenwart endet das Verb in allen Personen auf -as (Hodiaŭ mi lernas/Heute lerne ich), in der Vergangenheit immer auf -is (Hieraŭ vi lernis/Gestern lerntest du), in der Zukunft immer auf -os (Morgaŭ li lernos/Morgen wird er lernen). Es gibt keine unregelmäßigen Verben.