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Konkurrenzkampf um Gelder und Studenten:Wettbewerbsfähig mit wenig Geld

Bei der Sparwelle unter Stoiber haben Sie gemeinsam mit Studenten demonstriert - und einen Teilerfolg erzielt. Seehofer hat jetzt das Ziel eines kompletten Schuldenabbaus bis 2030 verkündet. Gleichzeitig wachsen die Studentenzahlen. Wird das Geld aus dem Ausbauprogramm reichen?

Im Moment will ich mich nicht beschweren. Wir haben einen historischen Höchststand an Studierendenzahlen. Aber Bayern hat für den doppelten Abiturjahrgang auch mehr Geld ausgegeben als andere Bundesländer, für Baumaßnahmen, Sanierungen, Personal und gezielte Forschungsbereiche. Das geht allein an der Uni Erlangen-Nürnberg in den dreistelligen Millionenbereich und ist ein wirklich beachtlicher Zuwachs. Was allerdings bei all diesen schönen Meldungen vergessen wird, ist der laufende Unterhalt. Wir haben 30.000 Quadratmeter zusätzliche Flächen zu bewirtschaften. Das kostet Energie, Heizung, Reinigung. Wir sind dauernd dabei, irgendwo Löcher zu stopfen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts könnten jetzt auch noch die Professorengehälter erhöht werden. Was kommt da auf Sie zu?

Das muss man abwarten. Wir bekommen vom Staat ein Gesamtbudget für Grundbesoldung und Leistungszulagen. Es gibt bei uns ohnehin keinen Professor und keine Professorin, die wir für das Grundgehalt einstellen. Und wenn wir sehr gute Wissenschaftler, etwa aus den USA, anwerben wollen, müssen wir im Einzelfall das Grundgehalt bis auf das Doppelte steigern. Der Freistaat könnte sich natürlich auf den Standpunkt stellen: Wenn das Grundgehalt höher wird, werden eben die Leistungszulagen gekürzt. Aber wir stehen heute in einem internationalen Wettbewerb. Da muss man um die besten Köpfe werben können.

Der Wettbewerb ist zum beherrschenden Motor für die Unis geworden.

Dem muss man sich stellen, ob man will oder nicht. Tut man das nicht, wird man irgendwann zu einem Regionalversorger und kann nur noch den Mangel verwalten. Die internen Verteilungskämpfe sind natürlich alles andere als lustig. Man muss Fakultäten neu ausrichten, Schwerpunkte setzen, wenn man mithalten will. Das bedeutet auch Umschichtung von Stellen und Mitteln, sowohl innerhalb wie auch zwischen den Disziplinen. Das fällt bei den MINT-Fächern mit großer Ausstattung naturgemäß etwas leichter als bei den Geisteswissenschaften mit nur wenigen Mitarbeitern. Natürlich gefällt es niemandem, wenn er etwas abgeben muss. Aber erfolgreiche Fächer setzen sich eben durch. Dazu gehören auch unsere Islamwissenschaften, die jetzt vom Bund gefördert werden.

Die Spitzenforschung entwickelt aber auch eine eigene Dynamik.

Natürlich. Hat man einen Spitzenforscher berufen können, zieht dieser weitere nach. Oft gibt es dann zwei Lager in der Fakultät, da haben Sie dann automatisch einen Teil gegen sich. Da muss man die Kunst der Befriedung entwickeln. Das ist nicht immer einfach bei durchaus selbstbewussten Professoren. Aber wir haben heute eine ganz andere Diskussionskultur als früher in den großen Gremien. Das Verständnis für universitäre Entwicklungen ist viel besser, wenn man mit nur fünf Dekanen diskutiert.

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