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Klassenkampf - der Schulratgeber:Was Lehrkräfte an Gymnasium und Hauptschule denken

Gymnasiallehrerin für Mathematik und Sport

"Ich kann die Sorge ein Stück weit nachvollziehen. Trotzdem wird sich ein guter und objektiver Lehrer niemals an den Noten von anderen Lehrkräften in einer Klasse orientieren. Jedenfalls ist mir in 25 Jahren Lehrtätigkeit noch kein solcher Kollege begegnet.

Dass dieses voneinander Abschauen nicht möglich ist, hat auch mit der Praxis des Notenmachens zu tun. Zensuren werden über das ganze Jahr vergeben und müssen immer wieder zu einem bestimmten Datum digital im Notenmanager eingetragen werden. Wenn da jemand 'abschreiben' wollte, würde das bedeuten, dass er mit eigenen Zensuren im Verzug ist, also seinen Job nicht ordentlich gemacht hat. Objektivität und Ehrlichkeit sind in meinen Augen mit die wichtigsten Dinge, die einen Lehrer ausmachen. Wer es also tatsächlich nötig hätte, sich für seine Noten Tipps von Kollegen zu holen, der ist definitiv kein guter Lehrer."

Hauptschullehrer

"Da wir an der Hauptschule - im Gegensatz zu Gymnasium oder Realschule - nach dem Klassleiterprinzip arbeiten, funktioniert das Benoten hier auch ein bisschen anders. In meiner Klasse mache ich in fast allen Fächern die Noten selbst, habe also gar nicht die Möglichkeit, mich von Kollegen in irgendeiner Form inspirieren zu lassen. Natürlich fragt man manchmal bei Lehrkräften nach, die die Klasse oder spezielle Schüler in den Jahren zuvor unterrichtet haben. Das tue ich aber eigentlich erst und nur dann, wenn es eine Auffälligkeit gibt. Das kann ein plötzliches Abfallen der Leistungen sein, aber auch viele Fehltage oder Disziplinprobleme."

Skurrile Prüfungsantworten

"Um ganz ehrlich zu sein, das Thema langweilt mich"

Fazit

  • In Zeiten der Digitalisierung tragen Lehrkräfte die Noten am PC ein, wo sie nur ihre eigenen Zensuren einsehen und sich nicht an Kollegen orientieren können.
  • Beim Eintragen der Noten müssen fixe Fristen eingehalten werden, bis zu deren Ablauf Lehrer in ihren Klassen Noten machen müssen. Aus Zeitgründen ist "abschauen" beim Kollegen daher kaum möglich.
  • Ein guter Lehrer will objektiv sein und sich seine eigene Meinung über Schüler bilden.

Freilich liefern die drei befragten Lehrkräfte nur einen subjektiven Ausschnitt der Realität. Und freilich gibt es auch Lehrerinnen und Lehrer, die bei der Benotung schlampig arbeiten. Dennoch würde ich dazu raten, den Lehrkräften Ihrer Kinder zu vertrauen. Sie arbeiten Tag für Tag mit den Schülern, kennen ihr Leistungsvermögen und können sie am besten beurteilen.

Sollten Sie trotzdem einmal ein mulmiges Gefühl bei einer Zensur haben, haken Sie in einer Sprechstunde persönlich nach. Meist lassen sich solche Dinge von Angesicht zu Angesicht sehr flott klären.