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Klassenkampf - der Schulratgeber:Sprechen sich Lehrkräfte bei der Benotung ab?

Einmal Note 5, immer Note 5: Beeinflussen sich Lehrkräfte bei der Benotung gegenseitig?

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Sehr gute Schüler haben oft überall sehr gute Noten, bei schwachen Schülern ist es umgekehrt. Ist das wirklich so? Drei Lehrer erzählen aus der Praxis.

Die Leserfrage

Ich bin als Elternvertreter an einem Gymnasium (in Schleswig-Holstein) oft in pädagogischen Konferenzen und Zeugniskonferenzen als Beisitzer dabei. Ich beobachte häufig, dass ein Kind die gleichen Noten über alle Fächer bekommt. Sehr gute Schüler haben überall sehr gute Noten, bei schwachen Schülern ist es mit Zensuren zwischen 4 und 5 ähnlich.

Nun frage ich mich, ob die Lehrkräfte sich austauschen oder der eine sich womöglich an den Noten des restlichen Kollegiums orientiert. Und falls ja: Ist das in Ordnung?

Die Antwort

Über wenig wird an den Schulen so viel diskutiert wie über die Noten: Sind sie gerecht? Und überhaupt noch zeitgemäß? Vielerorts wird längst mit Alternativen gearbeitet. Gerade in den Grundschulen haben sich einige Bundesländer bereits vollständig von den Zensuren verabschiedet und sie durch sogenannte Lernfortschrittsgespräche ersetzt. Schüler, Eltern und Lehrer setzen sich zum Beispiel am Ende eines Halbjahres zusammen und besprechen, was gut läuft und wo sich etwas verbessern muss.

In den allermeisten weiterführenden Schulen Deutschlands werden aber die Leistungen der Schüler mit einer Note zwischen 1 und 6 bewertet. Nach welchen Kritieren sie dabei vorgehen, wie vergleichbar verschiedene Fächer überhaupt sind: drei Lehrkräfte berichten aus der Praxis.

Realschullehrerin für Deutsch und Geschichte

"Wir Lehrer haben wirklich andere Dinge zu tun, als unsere Noten mit denen von Kollegen zu vergleichen! Wenn es auch noch um völlig verschiedene Fächer geht, sehe ich auch überhaupt keinen Sinn dabei. Warum sollte ich den Mathekollegen fragen, was Schülerin XY bei ihm bekommt? Das hat doch gar keine Aussagekraft bezüglich ihrer Fähigkeiten in einem sprachlichen Fach wie Deutsch.

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Da die Zensuren längst nicht mehr handschriftlich, sondern digital eingetragen werden, sehen die Fachlehrer ausschließlich die Noten, die sie selbst in einer bestimmten Klasse gemacht haben. Ist ein Schüler sehr schlecht, fragt man natürlich mal bei Kollegen nach, wie er oder sie sich dort macht - speziell, wenn es auf die Zeugnisvergabe zugeht. Bewegt sich der Schüler in mehreren Fächern um die Note 5 herum, kann man das Gespräch mit ihm suchen und eventuell noch gegensteuern. Das würde im Normalfall der Klassenleiter übernehmen, der in alle Noten seiner Klasse Einsicht hat."

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Gymnasiallehrerin für Mathematik und Sport

"Ich kann die Sorge ein Stück weit nachvollziehen. Trotzdem wird sich ein guter und objektiver Lehrer niemals an den Noten von anderen Lehrkräften in einer Klasse orientieren. Jedenfalls ist mir in 25 Jahren Lehrtätigkeit noch kein solcher Kollege begegnet.

Dass dieses voneinander Abschauen nicht möglich ist, hat auch mit der Praxis des Notenmachens zu tun. Zensuren werden über das ganze Jahr vergeben und müssen immer wieder zu einem bestimmten Datum digital im Notenmanager eingetragen werden. Wenn da jemand 'abschreiben' wollte, würde das bedeuten, dass er mit eigenen Zensuren im Verzug ist, also seinen Job nicht ordentlich gemacht hat. Objektivität und Ehrlichkeit sind in meinen Augen mit die wichtigsten Dinge, die einen Lehrer ausmachen. Wer es also tatsächlich nötig hätte, sich für seine Noten Tipps von Kollegen zu holen, der ist definitiv kein guter Lehrer."

Hauptschullehrer

"Da wir an der Hauptschule - im Gegensatz zu Gymnasium oder Realschule - nach dem Klassleiterprinzip arbeiten, funktioniert das Benoten hier auch ein bisschen anders. In meiner Klasse mache ich in fast allen Fächern die Noten selbst, habe also gar nicht die Möglichkeit, mich von Kollegen in irgendeiner Form inspirieren zu lassen. Natürlich fragt man manchmal bei Lehrkräften nach, die die Klasse oder spezielle Schüler in den Jahren zuvor unterrichtet haben. Das tue ich aber eigentlich erst und nur dann, wenn es eine Auffälligkeit gibt. Das kann ein plötzliches Abfallen der Leistungen sein, aber auch viele Fehltage oder Disziplinprobleme."

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Fazit

  • In Zeiten der Digitalisierung tragen Lehrkräfte die Noten am PC ein, wo sie nur ihre eigenen Zensuren einsehen und sich nicht an Kollegen orientieren können.
  • Beim Eintragen der Noten müssen fixe Fristen eingehalten werden, bis zu deren Ablauf Lehrer in ihren Klassen Noten machen müssen. Aus Zeitgründen ist "abschauen" beim Kollegen daher kaum möglich.
  • Ein guter Lehrer will objektiv sein und sich seine eigene Meinung über Schüler bilden.

Freilich liefern die drei befragten Lehrkräfte nur einen subjektiven Ausschnitt der Realität. Und freilich gibt es auch Lehrerinnen und Lehrer, die bei der Benotung schlampig arbeiten. Dennoch würde ich dazu raten, den Lehrkräften Ihrer Kinder zu vertrauen. Sie arbeiten Tag für Tag mit den Schülern, kennen ihr Leistungsvermögen und können sie am besten beurteilen.

Sollten Sie trotzdem einmal ein mulmiges Gefühl bei einer Zensur haben, haken Sie in einer Sprechstunde persönlich nach. Meist lassen sich solche Dinge von Angesicht zu Angesicht sehr flott klären.