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Klassenkampf - der Schulratgeber:Manchmal trifft es den Falschen

Eine große Klappe zielt oft unter die Gürtellinie.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Eine Schülerin wird beleidigt. Ihr Freund macht dem Mobber klar, dass er damit aufhören soll - und kriegt selbst Ärger. Wie Streitigkeiten in der Schule gelöst werden können und wie sich Eltern verhalten sollten.

Die Leserfrage

In letzter Zeit häufen sich an der Mittelschule meines Sohnes Vorfälle, die mich an der Gerechtigkeit in Schulen zweifeln lassen. Ein konkretes Beispiel:

Die Freundin meines Sohnes wurde tagelang von einem anderen Jungen in der Klasse beschimpft, was sie verbal versucht hat abzuwehren. Nachdem alles Reden nichts nutzte, hat mein Sohn dem Jungen deutlich gemacht, dass er damit aufhören solle, da er sonst Ärger bekäme. Dies nahm der Junge zum Anlass, zu seinen Eltern zu gehen und von "Bedrohung" zu sprechen. Die Eltern gingen zum Lehrer, der meinem Sohn für diese, wohlgemerkt außerschulische, Sache einen Verweis erteilen wollte. Nachdem ich meinen Sohn befragt hatte, habe ich gegenüber dem Lehrer klargestellt, dass er sich nur schützend vor seine Freundin stellen wollte. Von einem Verweis wurde dann immerhin abgesehen.

Ist es wirklich so, wie ich wahrnehme, dass der gewinnt, der als Erster brüllt? Dann müsste ich mir wohl angewöhnen, sofort in den Angriff zu gehen - unabhängig davon, wer den Bock geschossen hat. Wird an Schulen derart mit zweierlei Maß gemessen? Wenn ja, wie kann man sich dagegen wehren?

Die Antwort

Dass es gelegentlich Stress gibt, wenn 30 mehr oder weniger pubertierende Teenager täglich stundenlang in einem Raum sitzen, ist erst einmal nichts Absonderliches. Interessant wird es bei schulischen Streitigkeiten dann, wenn sich die Probleme nicht wie in den meisten Fällen binnen kürzester Zeit von selbst klären. Neben dem Problem, wie Schule/Lehrer mit solchen Fällen korrekt umgehen, stellt sich die Frage: Wie hätten Ihr Sohn und seine Freundin an die beschriebene Situation herangehen können, ohne dass es zur Eskalation kommt?

Hilfe suchen bedeutet nicht gleich petzen

Im Teenageralter wollen sich Kinder ungern von Erwachsenen, schon gar nicht von Lehrern oder Eltern, helfen lassen. Was prinzipiell ein begrüßenswerter Abnabelungsprozess ist, ist bei Ihrem Sohn und seiner Freundin leider schiefgegangen. Denn was die junge Frau als Allererstes hätte tun sollen, als sich der Ärger verbal nicht klären ließ: sich einem Lehrer anvertrauen.

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"Wir haben in solchen Fällen eine ganz klare Linie: Wer beleidigt oder sogar bedroht wird, muss das unbedingt seinem Klassenleiter mitteilen - nur dann kann man handeln", sagt der langjährige Rektor einer bayerischen Mittelschule. Natürlich hat es Ihr Sohn mit seiner Hilfe gut gemeint und natürlich ist die Loyalität zu seiner Freundin prinzipiell gut. Aber in dem Moment wäre er nicht als Silberrücken gefragt gewesen, sondern als besonnener Mediator, der seine Freundin zum Lehrer begleitet und dort bespricht, was zu tun ist.

Die Sorge, dann von der Klassengemeinschaft als Petze abgestempelt zu werden, ist aus einem ganz einfachen Grund nicht zielführend, erklärt die erfahrene Münchner Schulpsychologin Michaela Huber: "Genau dieses Verhalten spielt Mobbern in die Karten. Sie gehen fest davon aus, dass sich ihr Opfer nicht die Blöße geben und mit dem Problem zum Klassenleiter gehen wird."