Jahreszeugnisse"Das Verhältnis zur Lehrkraft war störungsfrei"

In Bayern gibt es Zeugnisse. SZ-Mitarbeiter präsentieren die Belege ihrer Schullaufbahn - und erzählen die Geschichten dahinter.

Ich war während der Mittelstufe genau die Art von Schüler, die jede Lehrerkonferenz die Augen verdrehen lässt: hochpubertär, geistig und/oder körperlich abwesend. Das ging dank vieler wohlwollender Lehrer in den Klassen acht und neun gerade so gut - am Ende standen jeweils eine Fünf und mehrere schlechte Vieren im Zeugnis. In der zehnten Klasse dann war es aber hoffnungslos, die angesammelten Wissenslücken riesig.

Im Halbjahreszeugnis folgten diverse Fünfen, was mich mit drei Optionen für die zweite Schuljahreshälfte zurückließ: hart arbeiten, um das Klassenziel noch zu erreichen; freiwillig in die neunte Klasse zurücktreten, was nicht als Durchfallen gewertet worden wäre; resignieren und mich seelisch auf das Wiederholungsjahr vorbereiten. Ich wählte letztere Variante und legte so eine Art schulisches Pseudo-Sabbatical ein - blieb dem Unterricht also häufig fern und versuchte, die anderen nicht vom Lernen abzuhalten, wenn ich doch mal anwesend war.

Das Ergebnis sehen Sie im Bild oben. Immerhin hat mir dieses Zeugnis damals fünf Kugeln Eis umsonst in der örtlichen Eisdiele eingebracht. Im zweiten Anlauf schaffte ich die zehnte Klasse dann mit Müh und Not - auf dem weiteren Weg zum Abitur lief es dann aber, um Paul Breitner zu zitieren, ganz flüssig.

Matthias Kohlmaier, SZ.de, Bildung und Karriere

27. Juli 2018, 09:252018-07-27 09:25:14 © SZ.de/mkoh/leja