50 Jahre "Jugend forscht" Ein Leben mit Bussard und Habicht

Professor Oliver Krüger, Bundessieger Biologie 1994

Einer der Höhepunkte im Jahr von Oliver Krüger ist es, wochenlang Seelöwen auf den Galápagos-Inseln zu beobachten. Fast genauso gern rennt er im Teutoburger Wald Bussarden und Habichten quer durch das Unterholz hinterher, um ihre Horste aufzustöbern. Noch immer. Dass sein Projekt wohl das längste in der Geschichte von Jugend forscht ist, liegt zum einen an dieser Leidenschaft. Und an seiner Mutter.

Ihr Sohn war kein Neunjähriger, der seine Nachmittage auf dem Bolzplatz verbrachte. Er verschwand im Wald - und kam mit toten Tieren nach Hause. In einer anderen Familie hätte er das wahrscheinlich genau einmal gemacht, aber Oliver Krügers Mutter ließ ihn gewähren. Als er Tiere in ihrer Waschküche skelettierte, als er Kadaver ausstopfte und sie vorher in der Gefriertruhe neben dem Braten zwischenlagerte. Schließlich hatte sie ihrem Sohn immer gesagt: Wichtig ist, zu tun, was einem Spaß macht. Und ihr Sohn liebt es, das Leben im Wald auszukundschaften und Zusammenhänge zu entdecken. Da gehören die toten Tiere einfach dazu.

Was aber Krüger von anderen unterscheidet: Seine Neugier schwand nicht mit der Kindheit. Als er mit 16 Jahren beschloss, am Jugend-forscht-Wettbewerb teilzunehmen, professionalisierte er seine Datensammlung. Er hielt genau fest, welche Bussardpaare erfolgreich jagten und brüteten - und welche kaum Nachwuchs durchbrachten. Und warum das so war. Als er auch noch eine zweite Vogelart, den Habicht, miteinbezog und zeigen konnte, wie sich die Raubvögel in den kleiner werdenden Jagdrevieren ins Gehege kamen, wurde er drei Jahre später zum Bundessieger.

Erste Forschungsreise von vielen

Mit diesem Erfolg öffnete sich die Welt für Oliver Krüger. Bei Jugend forscht gewann er einen Aufenthalt in den USA, fünf Wochen lang. Es sollte die erste Forschungsreise von vielen sein. Sein Studium in Bielefeld und Oxford finanzierte Krüger über ein Stipendium, dann ist fast zehn Jahre lang die Uni Cambridge seine Heimat. Zurück in Bielefeld dreht sich seine Doktorarbeit abermals um Habichte und Bussarde - und wird wieder ausgezeichnet.

Inzwischen reist Krüger weniger. Der Professor für Verhaltensforschung hat sich um einen Lehrstuhl zu kümmern: Für 50 Mitarbeiter und deren Projekte muss er Drittmittel akquirieren. Da ist er froh, wenn er mal raus kann, gerne ans Ende der Welt: nach Alaska, Russland oder eben auf die Galápagos-Inseln. Eine Insel, auf der das Trinkwasser importiert werden muss, zum Duschen ist es zu schade. "Da kriegt man die schönsten Dreadlocks, das muss man mögen", sagt Oliver Krüger. Er mag es. Seine Bussarde und Habichte hat er nie aus den Augen verloren. "Meinen alten Datensatz von 1989 nutzen wir noch immer." Vor allem jetzt, denn: "Der Super-Predator ist zurück!" Der Uhu. Er verjagt nicht nur Habichte und Bussarde und übernimmt ihre Horste, er verspeist sie. Es bleibt spannend im Teutoburger Wald.