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Inklusion:Lehrer müssen jedes Kind da abholen, wo es steht

Kam auch Positives zur Sprache?

Eine Dame vom Netzwerk "Gemeinsam leben, gemeinsam lernen" erzählte, dass sie vor 25 Jahren unglaublich kämpfen musste, um ihr behindertes Kind in einer Regelschule unterzubringen. Es sei doch ein Riesenfortschritt, dass Eltern jetzt das Grundrecht haben, zwischen Regel- und Förderschule zu wählen. Das stimmt natürlich.

Wie sich die Kinder die Inklusion vorstellen, zeigen Sie im Film auf der Bühne.

Ja, in der "Schule der Tiere". Da ist jeder anders, der Puma kann jagen, aber nicht gut tauchen, das Nashorn trampeln, aber nicht klettern. In der Tierprüfung helfen dann alle allen, und jeder merkt, dass er so stärker ist. Wir haben die Fabel gemeinsam im dritten Schuljahr entwickelt, von der Idee bis zur Aufführung in fünf Tagen. Die Kinder haben sich unglaublich eingebracht.

Was soll Ihr Film bewirken?

Er soll Erwachsene dafür sensibilisieren, was Kinder brauchen. Wenn sie ganztags zur Schule gehen, weil beide Eltern arbeiten, muss die Schule leisten, was die Eltern nicht mehr leisten können. Dann sind Lehrer als Bezugspartner wichtiger denn je. Sie müssen jedes Kind, ob behindert oder nicht, da abholen, wo es steht. Das können sie aber nur, wenn wir genug in Schulen investieren.

Thomas Binn, 47, ist Filmemacher, Fotograf und diplomierter Sozialpädagoge. Seine Tochter und sein Sohn wurden in der Grundschule gemeinsam mit förderbedürftigen Kindern unterrichtet, anschließend wechselten sie aufs Gymnasium.

© SZ vom 08.05.2017/mkoh
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