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Infektionsschutz:Bis Sommer kein regulärer Unterricht

Coronavirus - Schulbeginn für Abschlussklassen

Schüler und Schülerinnen einer 12. Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching bei München

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Die Kultusminister der deutschen Bundesländer halten einen Normalbetrieb vor den großen Ferien für ausgeschlossen.
  • Dennoch sollen Kinder und Jugendliche zumindest zeitweise wieder die Schule besuchen.

Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu den Sommerferien zumindest zeitweise wieder die Schule besuchen können. Auf dieses Ziel haben sich die Kultusminister der Bundesländer in ihrem "Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Unterricht in Schulen" verständigt. Das elfseitige Papier segneten sie am Dienstag nach zwei Tagen Beratung ab.

Ein "uneingeschränkt regulärer Schulbetrieb", heißt es dort, sei bis zu den Sommerferien nicht mehr möglich. Das Dokument, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, soll Bundesregierung und Bundesländern als Grundlage dienen. Sie beraten an diesem Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten die Kultusminister am 15. April beauftragt, bis zu diesem Mittwoch ein Konzept vorzulegen, wie der Unterricht unter Berücksichtigung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen fortgesetzt werden kann.

Am 4. Mai - in Bayern am 11. Mai - soll schrittweise wieder regulärer Unterricht beginnen. Bislang sind nur Abschlussklassen an die Schulen zurückgekehrt, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Die Schulen waren Mitte März geschlossen worden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Im nächsten Schritt soll der Unterricht in der Schule nun unter anderem für die letzte Klasse der Grundschule (je nach Bundesland die vierte oder sechste Klasse) sowie die Abschlussklassen des kommenden Schuljahres wieder anlaufen. Die Bundesländer formulieren dafür in ihrem Rahmenkonzept "Hygiene- und Schutzmaßnahmen einschließlich Verhaltensregelungen".

Schüler sollen sich regelmäßig und sorgfältig die Hände waschen, die Husten- und Niesetikette beachten und zueinander und zu Lehrern einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Die Verhaltensregeln müssten "in den Schulen eingeübt und kontrolliert werden", besonders für jüngere Schüler. Eine Maskenpflicht sieht das Konzept nicht vor, auch nicht - wie etwa vom Deutschen Lehrerverband gefordert - auf dem Gang oder dem Schulhof.

Um die Hygienemaßnahmen sowie den Mindestabstand zu ermöglichen, soll der Präsenzunterricht "in geteilten Klassen bzw. Kursen" stattfinden. Den Schulen tragen die Bundesländer auf, "jederzeit ausreichende Versorgung mit Flüssigseife und Einmalhandtüchern" sicherzustellen.

Auch der Schulweg ist Thema. Die Länder, heißt es aber sehr allgemein, unterstützten Gespräche mit Schulträgern und Verkehrsbetrieben, die sich etwa mit der Entzerrung von Fahrplänen befassten. "Sofern es die Entfernung und die sonstigen Gegebenheiten zulassen", empfehlen sie, "nach Möglichkeit verstärkt zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren".

Modell mit drei Schultagen pro Woche

Schüler, die besonderer Unterstützung bedürften, etwa weil es ihnen an Sprachkenntnissen mangele, sollen von ihren Lehrern zusätzliche Angebote an den Schulen erhalten. Leiden Schüler an einer Vorerkrankung, werden sie vom Präsenzunterricht befreit.

Ob Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Schule wieder besuchen, soll "auf Basis des Vertrauens zwischen Elternhaus und Schule geklärt" werden. Lehrer mit Vorerkrankung sollten "nach Möglichkeit" nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden. Gehören sie einer Risikogruppe an, sollen sie selbst entscheiden, ob sie in der Schule unterrichten.

Wie die Wiederöffnung der Schulen nach dem ersten Schritt Anfang Mai weitergehen soll, lassen die Länder in ihrem Konzept offen. "Über die Ausweitung auf weitere Klassenstufen ist auf der Grundlage des jeweiligen Standes des Infektionsgeschehens zu entscheiden", heißt es dort. Ungeklärt bleibt auch die Frage, in welchem Rhythmus die Schüler künftig in der Schule unterrichtet werden sollen.

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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte ein Modell ins Spiel gebracht, demzufolge die Schüler drei Tage pro Woche in die Schulen gehen und sich zwei Gruppen tageweise abwechseln. Auch am Samstag wäre in diesem Fall Unterricht. Der Deutsche Lehrerverband schlug dagegen einen wöchentlichen Wechsel zwischen Schule und Fernunterricht vor.

Die Länder legen sich hier nicht fest. Bis zu den Sommerferien sollten Schüler "tage- oder wochenweise" die Schule besuchen können, die Lerngruppen würden "räumlich, zeitlich oder organisatorisch voneinander getrennt". Eine "erhebliche Zahl" werde aber auch in Zukunft stets von zu Hause aus lernen. Für diese Schüler "würden unterschiedliche pädagogische Angebote bereitgehalten", allerdings nicht sofort. "Um das Angebot sorgfältig aufbauen zu können", wird den Schulen eine Übergangszeit eingeräumt.

© SZ vom 29.04.2020/odg
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