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Hochschulen - Magdeburg:Plagiate? Hochschulen gehen unterschiedliche Wege

Halle/Magdeburg/Wernigerode (dpa/sa) - Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt gehen teils unterschiedlich an wissenschaftliches Fehlverhalten heran. "Wir haben an der Universität eine Software im Einsatz, die es möglich macht, Plagiatsanteile in den pdfs der Dissertationstexte zu evaluieren", sagte die Sprecherin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die ständig aktualisierte Software stehe den Betreuern zur Verfügung, eine Pflicht zur Nutzung gebe es aber nicht. Texte könnten so aber schon während des Entstehens kritisch geprüft werden.

An der Martin-Luther-Universität Halle hieß es: "Wissenschaftliche Arbeit beruht auf Prinzipien, wie wissenschaftlicher Redlichkeit, Gewissenhaftigkeit und offenem Diskurs. Wir gehen davon aus, dass dies für alle, die in der Wissenschaft arbeiten, selbstverständlich ist. Zu einem Generalverdacht und dem Einsatz einer Software besteht also kein Anlass." Wichtig sei die Vorbeugung. Dazu gehöre eine gute Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dieser müsse auch für das Thema sensibilisiert werden. "Beides tun wir."

Die Hochschule Harz sucht aktuell nach einer neuen passenden Software nachdem die bisher genutzte ausgelaufen sei, teilte eine Sprecherin mit. Wichtig sei, dass der Datenschutz genügend berücksichtigt werde. "Die Prüfer sind gehalten, die Überprüfung der Arbeiten selbst und individuell vorzunehmen. Das Googeln auffälliger Passagen oder Sätze liefert erfahrungsgemäß schon gute Hinweise." In einigen Bereichen an der Hochschule Magdeburg-Stendal werde Plagiatssoftware genutzt, hieß es im Prüfungsamt. Ein Abschluss sei bislang aber noch nicht entzogen worden.

Tatsächlich werden insgesamt nur wenige Abschlüsse entzogen. An der Universität Magdeburg wurden in den letzten sieben Jahren zwei Abschlüsse aberkannt, ein Verfahren laufe derzeit noch. Es gebe regelmäßig auch Rügen und Sanktionen für wissenschaftliches Fehlverhalten im Rahmen von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Publikationen, teilte die Sprecherin weiter mit.

An der Uni Magdeburg arbeite eine Kommission zu dem Thema. Etwa zehn Fälle seien in den letzten sieben Jahren überprüft worden. Schwerpunkte seien die Medizin, die Biologie und Lebenswissenschaften gewesen. "Diese Häufung korreliert aber mit der in diesen Fächern herrschenden hohen Promotionsdichte", hieß es.

An der Uni Halle wurde in den zurückliegenden zehn Jahren ein Titel aberkannt, wie die Hochschulsprecherin mitteilte. Details könne sie nicht nennen, weil Persönlichkeitsrechte und der Datenschutz sehr wichtig seien.

An der Hochschule Harz wird laut der Sprecherin keine übergreifende Statistik geführt. Bei nachgewiesenen Plagiaten oder einem Täuschungsversuch vergebe der Prüfer die Note 5,0 für "durchgefallen". In schwerwiegenderen, aber sehr seltenen Fällen, würden die Studierenden nicht zur Nachprüfung zugelassen oder es würden bereits vergebene Abschlüsse entzogen.

Der Ombudsmann der Hochschule Magdeburg-Stendal berichtet auch von einem Fall, in dem Vorwürfe entkräftet werden konnten. Eine externe Person sei an ihn herangetreten und habe gegen eine Professorin den Vorwurf der Datenfälschung erhoben. Durch Recherchen und mit der Unterstützung der Ombudsstellen zweier weiterer Hochschulen hätten die Vorwürfe entkräftet werden können. Die Person, die die Vorwürfe erhoben hatte, musste sich schließlich vor Gericht verantworten.