Hochschulen Im Namen der Offenheit

Das Verschleierungsverbot der Universität Kiel erhitzt die Gemüter. Der Asta hält den Beschluss für grundrechtswidrig.

Von Thomas Hahn

Das Niqab-Verbot an der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) datiert schon vom 29. Januar, aber der Erlass befeuert noch immer die Diskussion um die Freiheit des Glaubens an deutschen Bildungseinrichtungen. Das Medienecho war derart vielfältig, dass die Universität in der vergangenen Woche eine Stellungnahme veröffentlichte. In dieser erläuterte die Vizepräsidentin Anja Pistor-Hatam die Grundsatzentscheidung aus konkretem Anlass.

Eine zum Islam konvertierte Deutsche hatte während einer Vorlesung ihren Niqab, ihren Ganzkörperschleier, getragen. Der Dozent meldete den Fall, das CAU-Präsidium stand zum ersten Mal vor der Frage, wie mit der Vollverschleierung umzugehen sei, die einige muslimische Frauen tragen. Es folgten laut Universität eine rechtliche Prüfung und mehrere Gespräche mit der betroffenen Studentin und deren Ehemann. Man habe sich "in wichtigen Einzelfragen" nicht einigen können, sagt Anja Pistor-Hatam. Eine offene Kommunikation sei eine Grundvoraussetzung von Lehre und Forschung: "Da ein Gesichtsschleier diese offene Kommunikation behindert, darf dieser in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Gesprächen, die sich auf Studium, Lehre und Beratung im weitesten Sinne beziehen, nicht getragen werden."

Karin Prien, CDU, Bildungsministerin in Schleswig-Holsteins Jamaika-Koalition, begrüßte die Entscheidung. Die SPD stimmte trotz Oppositionsrolle zu. "Die CAU hat recht - Kopftuch ja, Vollverschleierung nein!", sagte Fraktionsvizechefin Serpil Midyatli. Einspruch kam von der Grünen-Fraktion. Die Studierendenvereinigung Asta hält den Beschluss "für diskriminierend und grundrechtswidrig". Auch manche Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter haben sich der Kritik angeschlossen.

Dass Anja Pistor-Hatam eine Gegnerin der Religionsfreiheit sei, wird ihr keiner leichtfertig vorwerfen können. Sie ist Islamwissenschaftlerin, Integration sieht sie als Voraussetzung für einen aufgeklärten Islam. Dass Niqab- und Burka-Verbot trägt sie mit Bedauern vor. Aber die Uni pocht eben auf Prinzipien eines deutschen Bildungsbetriebs. Als Referenz legt sie die Stellungnahme des Erlanger Rechtsprofessors Mathias Rohe vor, in dem er 2017 ein geplantes Verschleierungsverbot in Bayern als "grundsätzlich unterstützenswert" bezeichnete. Ob das rechtlich überzeugt? Die betroffene Studentin hat angekündigt, gegen die Richtlinie bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen zu wollen.