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Hochschulen - Frankfurt am Main:"Merklich weniger Angebote": Studenten brechen die Jobs weg

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Die Überreste eines Infozettels werben vor einem Hörsaal für Studentenjobs. Foto: picture alliance / dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Gießen/Frankfurt/Marburg (dpa/lhe) - Die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie bringen Studenten in Hessen in finanzielle Not. In der Vergangenheit arbeitete über die Hälfte, um ihr Studium zu finanzieren. Doch die Pandemie und der Teil-Lockdown lassen entsprechende Jobs verschwinden. "Unsere Sozialberatung verzeichnet in den letzten Monaten einen merklichen Anstieg von Studierenden, die sich Hilfe in Form von Beratung zu ihrer finanziellen Situation einholen", sagte Franziska Busch vom Studentenwerk Marburg.

In der mittelhessischen Stadt haben es Studenten besonders schwer: "In Marburg fallen diese Studi-Jobs größtenteils weg, weil hier wenig Industrie vorhanden ist, dafür eher Jobs in der Gastronomie für Studierende angeboten werden", erklärte Busch.

Auch in Frankfurt träfen die Einschränkungen und Schließungen im kulturellen- und gastronomischen Bereich Studierende besonders, sagte Sylvia Kobus, Sprecherin des Studentenwerks: "Denn gerade in diesen Bereichen finden Studierende aufgrund der flexiblen Arbeitszeiten die besten Bedingungen." Der Rückgang von Stellenausschreibungen wirke sich besonders bei Praktika und Studentenjobs aus. "Auf unserer eigenen Studi-Jobbörse verzeichnen wir merklich weniger Angebote als vor der Krise."

Wie viele Jobs mit Ausrichtung auf Studenten es in Hessen gibt, ist unklar. "Studentenjobs werden statistisch nicht erfasst", sagte eine Sprecherin der Agentur für Arbeit. Die Jobbörse der Agentur listete zuletzt rund 80 offene Angebote für Studenten auf - darunter Zeitungszusteller, Schuhverkäufer, Hilfskraft und Telefonist. Doch selbst wenn man die 500 aufgelisteten Ergebnisse der Suche nach "Minijob" hinrechnet und von einer hohen Ziffer nicht gemeldeter oder vergebener Jobs ausgeht, steht dem die Zahl von über 200 000 Studenten in Hessen gegenüber.

"Unter dem Strich gibt es weniger Studentenjobs", sagt auch Arne Krause, Referent für Finanzen und Hochschulpolitik des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (Asta) in Gießen. Zwar hätten Branchen wie Lieferdienste Mitarbeiter eingestellt, aber auf der anderen Seite entfielen Jobs in Gastronomie, bei Veranstaltungen wie Konzerten, Messen oder als Nachtportier in Hotels.

Laut einer Befragung des Deutschen Studentenwerks arbeiteten zuletzt zwei Drittel der Studenten. Das deckt sich mit lokalen Ergebnissen, so sind in Gießen 69 Prozent der Studenten erwerbstätig. Für 50 Prozent ist der Job während des Studiums die Hauptfinanzierungsquelle.

Das Wissenschaftsministerium in Wiesbaden hatte kürzlich auf eine parlamentarische Anfrage der FDP erklärt, dass bis August 16 700 Anträge auf Nothilfe von Studierenden in Hessen gestellt wurden. 38 Prozent seien aber abgelehnt worden - es habe keine Notlage vorgelegen oder die Unterlagen seien unvollständig oder unlesbar gewesen.

Laut Krause täuschen solche Zahlen. Tatsächlich sei die Not größer und staatliche Hilfen könnten die Finanzierungslücken oft nicht schließen: Die Antragsverfahren seien kompliziert und hätten hohe Hürden. So erhalte der Asta nach wie vor Hilferufe von Studenten, denen das Geld für einen Computer oder das Semesterticket fehle. "Solche Mails haben wir vor einem Jahr nicht in der Fülle bekommen." Für die Betroffenen bedeute die Finanznot oft einen "psychischen Leidensdruck".

Auch Studentenwerke helfen, wenn das Geld knapp wird: Die Sozial- und Finanzierungsberatung sowie die Bafög-Erstberatung seien erste Anlaufstellen, "da eine auskömmliche Finanzierung für ein erfolgreiches Studium unabkömmlich ist", sagte Studentenwerks-Sprecherin Kobus. Auch dort herrschen Einschränkungen. Alle Beratungsangebote gebe es zurzeit nur telefonisch, per E-Mail und demnächst per Video-Chat. "Dies ist gerade für Erstsemester eine nicht immer leichte Situation, da sie mit den Abläufen und auch den Angeboten an den Studienorten natürlich noch gar nicht vertraut sind."

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