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Hochschule:Kredite sind nur Zuschuss zu einem möglichen Finanzierungsmix

Aktuell machen es die geringen Zinsen für Studiendarlehen so attraktiv wie nie, eine Weiterqualifizierung in Erwägung zu ziehen - auch wenn dafür ein oder zwei Jahre lang der Beruf an den Nagel gehängt werden muss. Der variable Zinssatz für den Bildungskredit und das Bafög-Bankdarlehen hat einen historischen Tiefstand erreicht: Effektiv werden gerade mal 1,03 Prozent Zinsen p. a. verlangt, und wenn die Zinssätze im Frühjahr neu berechnet werden, steht eine Erhöhung kaum zu befürchten.

Auch der KfW-Studienkredit ist mit effektiv 3,81 Prozent günstiger als vor einem Jahr. Dieser Zinssatz kommt ebenfalls jeweils zum 1. April und zum 1. Oktober auf den Prüfstand. Mehr als 9,71 Prozent wird der variable KfW-Studienkredit aber in keinem Fall kosten, das garantiert die Bank. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich auch für den etwas teureren Festzins entscheiden. Bei zehnjähriger Laufzeit werden dafür effektiv 4,12 Prozent fällig. Ob variabel oder fest: Mit dem Beginn der Rückzahlung darf man so lange warten, bis es das Einkommen hergibt: Die Tilgungsphase beginnt erst nach einer Karenzzeit von sechs bis 23 Monaten. Mit dem anschließenden Abstottern darf man sich bis zu einem Vierteljahrhundert Zeit lassen. Und wenn es ein Bonus oder ein unerwarteter Geldgewinn erlaubt, darf man auch zwischendurch die Schuld abtragen. Ohne dafür extra bezahlen zu müssen.

Der Preis für den Abschluss

Staatliche Hochschulen: Semestergebühren/Sozialbeiträge (von etwa 90 Euro bis circa 350 Euro), gegebenenfalls Laborkosten. Studiengebühren von mehreren Hundert Euro werden fast nur noch für Langzeitstudenten, für ausländische Studierende und für ein Zweit- oder Seniorenstudium erhoben. Aber für Bibliotheksmuffel fallen trotzdem Kosten für Bücher und Lernmittel an. Private Hochschulen: Studiengebühren (von 300 bis - an Elitehochschulen im Ausland - weit mehr als 10 000 Euro je Semester). Kosten für die Teilnahme an obligatorischen Exkursionen sowie für Bücher und Lernmittel. Miete und Lebenshaltungskosten: Hängen stark von den individuellen Bedürfnissen und vom Lebens- und Studienort ab. Der Durchschnittsstudent gibt laut Deutschem Studentenwerk knapp 800 Euro im Monat für seinen Lebensunterhalt aus. Im Ausland liegen die Lebenshaltungskosten oft weit darüber. Reisekosten: Wer berufsbegleitend in einer anderen Stadt als an seinem Wohnort studiert oder vielleicht sogar zu den Vorlesungen an eine Hochschule im Ausland reisen muss, sollte Reise- und Übernachtungskosten einkalkulieren. Krankenversicherung: Mit dem 25. Geburtstag endet meist die Möglichkeit zur beitragsfreien Mitversicherung über die Familienversicherung. Studierende werden dann Mitglied in der günstigen studentischen Krankenversicherung (circa 80 Euro pro Monat). Sie besteht bis zum Abschluss des 14. Fachsemesters, längstens bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Danach müssen sich die Studierenden privat versichern (ab etwa 250 Euro). Beiträge: GEZ, Mitgliedsbeiträge Sonstiges: Eventuell Kinderbetreuungskosten. Christine Demmer

Allerdings ist derzeit schwer abzusehen, wie lange der Zins so niedrig bleibt. Eine Gruppe von Geldmarktexperten sieht ihn noch mindestens fünf Jahre lang im Keller. Andere Experten glauben, dass die Zinsen schon in diesem Jahr wieder ansteigen werden. Doch auch ohne Glaskugel und Prognosemodell ist eines klar: Die Schuldenlast der deutschen Studenten ist keinesfalls mit der ihrer amerikanischen Kollegen zu vergleichen. Nach Ansicht von CHE-Analyst Ulrich Müller stehen Studierende in Deutschland im internationalen Vergleich komfortabel da. "Die Zahlen, die man aus dem Ausland hört, sind anderen Lebenshaltungskosten und deutlich höheren Studiengebühren geschuldet", sagt er. Außerdem gibt es mit einem guten Dutzend teils nicht rückzahlbarer Stipendien eine Vielzahl von Geldquellen. Die Kredite, versichert Müller, seien nur ein Zuschuss zu einem vorhandenen Finanzierungsmix.

Rein rechnerisch spricht also nicht viel dagegen, sich auf Pump weiterzubilden. Unter drei Bedingungen: Man sollte die Schulden im Rahmen halten, man sollte das richtige Fach studieren und man sollte den Abschluss hinbekommen. Angesichts der guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt lohnt sich diese Investition in den allermeisten Fällen. Ganz besonders für Ingenieure.