Heimweg-Hilfe für Studierende:Co-Walker statt Polizeistreifen

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Einige Hochschulen gehen noch ein Stück weiter: Die Universitäten Kassel und Hagen im Ruhrgebiet haben auf ihrem Gelände Notrufsäulen eingerichtet. An der Uni Heidelberg gibt es im Campusbereich einen Begleitservice zum Parkplatz, zur Bus- bzw. Straßenbahnhaltestelle oder zum Wohnheim. Gleichstellungsbeauftrage haben an einigen Hochschulen, darunter an der TU Dortmund, dafür gesorgt, dass auf dem Gelände dunkle Wege besser beleuchtet und Frauenparkplätze eingerichtet werden.

Besonders engagiert zeigt sich die Universität Konstanz. Im Jahr 2000 war es mehrmals zu Übergriffen auf Frauen im Hockgraben gekommen; dem Stück, das die Universität von den meisten Wohnheimen trennt. Auch hier sollen jetzt Frauenparkplätze und ein Frauentreffpunkt für ein höheres Sicherheitsgefühl sorgen.

An dem Treffpunkt, der gut sichtbar in der Lobby eingerichtet ist, können sich alle, die nicht alleine durch den Wald oder durch den Hockgraben gehen möchten - also auch Männer -, zu jeder halben und vollen Stunde treffen und sich dann gemeinsam auf den Weg machen. "Durch diese wechselseitige Begleitung tragen Sie aktiv und selbstorganisiert zur Erhöhung Ihrer eigenen Sicherheit und der Ihrer "Co-Walker" bei", heißt es auf der Internetseite.

Einst übliche Polizeistreifen sind selten geworden

In Berlin bietet das "Heimwegtelefon" einsamen Nach-Hause-Gängern Gesellschaft. Zwei junge Frauen, Anabell Schuchhardt und Frances Berger, nehmen Anrufe von Menschen aus ganz Deutschland entgegen, die nachts alleine unterwegs sind und sich dabei sicherer fühlen möchten.

Denn nicht jeder hat jemanden, mit der er nachts telefonieren kann. "Es geht vor allem darum, auf dem Weg nicht so viel nachzudenken", sagt Frances. "Damit man ein besseres Gefühl hat."

Die meisten Anrufer sind Frauen zwischen 16 und 35 Jahren. Zu Beginn des Telefonats teilt der Anrufer mit, wo er sich befindet und was sein Ziel ist. Anabell und Frances schauen sich bei Google Maps den entsprechenden Weg an, damit sie im Notfall reagieren und die örtliche Polizei verständigen können. Es folgt ein nettes Gespräch über Gott und die Welt, das die Laufzeit verkürzen soll. "Unsere Anrufer haben noch keine Panik, aber sie fühlen sich unwohl", sagt Frances.

Die Polizei begrüßt solche Initiativen. "Alles, was im Rahmen der Prävention passiert, verdient Unterstützung", sagt GdP-Sprecher Wolfang Schönwald. Einst übliche Polizeistreifen in den Gemeinden seien selten geworden. Denn auch an Polizeipersonal werde immer mehr gespart. Deshalb müssten Polizei, Universitäten und Kommunen Sicherheitsfragen verstärkt gemeinsam beantworten. Dennoch: "Sich frühzeitig selbst zu schützen, ist nie verkehrt".

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