bedeckt München 24°

Ausbildung:Holzspielzeug- und Glasmacher

Holzspielzeugmacher: Räuchermännchen, Schwibbögen, Nussknacker, Weihnachtspyramiden: Die Volkskunst aus dem Erzgebirge hat Fans auf der ganzen Welt. Aber auch in dieser Branche hat man Nachwuchssorgen, wie Dieter Uhlmann sagt. Er ist Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. "Uns fehlt eine ganze Generation von jungen Leuten, deren Eltern nach der Wende aus dem Erzgebirge in den Westen gegangen sind." Spielzeugmacher sind Handwerker, die die Kunstwerke drechseln, schnitzen und bemalen.

Die meisten Betriebe sind im Erzgebirge und in anderen Teilen Sachsens, die spezielle Schule für dieses Kunsthandwerk ist in Seiffen im sächsischen Erzgebirgskreis. Die Auszubildenden eignen sich dort viele Fähigkeiten an, die auch ein Schreiner erlernt, dazu werden CAD-Zeichnungen erstellt oder CNC-Maschinen programmiert. Aber es ist ein sehr spezieller Beruf, das gibt Uhlmann gern zu. "Im Grunde wird der Nachwuchs für die gut 200 Betriebe ausgebildet, die die Volkskunst herstellen und verkaufen."

Holzbildhauer: Das sei ein Exotenberuf, sagt Michael Kühnert über Holzbildhauer. Er ist Assistent in der Schulleitung an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim in der Rhön. Allerdings weniger ein handwerklicher als vielmehr ein künstlerischer. Die meisten Schüler kämen mit Abitur an die Schule, die im bayerischen Teil der Rhön liegt. Und dann ist es wie bei manchem Studiengang: Man hat viele Fertigkeiten gelernt, ist aber nicht speziell auf einen Beruf vorbereitet. "Niemand stellt ja einen Holzbildhauer ein."

Also gehen manche direkt in die Selbständigkeit, andere wiederum entscheiden sich für den Besuch einer Kunsthochschule, in der sie ihre Fähigkeiten und ihr Netzwerk weiter ausbauen. Ohne Aufnahmeprüfung wird fast niemand in Bischofsheim genommen, man bleibt ein kleiner Kreis in der staatlichen Schule, für die keine Gebühren zu entrichten sind. Eine Handvoll weiterer Schulen gibt es in Deutschland, die meisten in Oberbayern, eine in Thüringen und eine in Flensburg. "Eine Altersbegrenzung für die Ausbildung haben wir nicht", sagt er. Der älteste "Azubi" war schon weit jenseits der 50.

Glasmacher: Das Glas hat eine lange Tradition im Bayerischen Wald, Hunderte Jahre schon ist die Glasbläserei und -herstellung mit den Orten im Südosten der Republik verschmolzen. "Wir wollen, dass das Handwerk in der Region nicht nur eine Vergangenheit hat, sondern auch eine Zukunft", sagt Hans Wudy, Leiter der Glasfachschule in Zwiesel. Hier werden junge Leute ausgebildet, die sich auf Glas spezialisiert haben. Doch nicht alle stellen kunstvolle Gebilde mit der Glasmacherpfeife her, viele sind auf die industrielle Produktion oder die optischen Berufe ausgerichtet.

"Nur noch sehr wenige Manufakturen bilden Glashandwerker aus", sagt Wudy. Darum werde der größte Teil des Nachwuchses an der Schule für den Beruf fit gemacht. Er komme teils aus Tschechien und aus der Slowakei. Im Gegensatz zur industriellen Produktion ist die Fertigung per Hand vielfach nicht mehr konkurrenzfähig. Zudem, sagt Wudy, sei den Kunden die Wertschätzung für das Besondere abhanden gekommen. Dass dieses Nischenprodukt erhalten bleibt, dafür wollen die wenigen Auszubildenden sorgen, die in Zwiesel zur Schule gehen. "Sie sind Handwerker und Gestalter gleichermaßen."