bedeckt München 20°
vgwortpixel

Schule:Der Bedarf an Grundschulen ist groß

Nach der internationalen Grundschul-Leseuntersuchtung aus dem vergangenen Jahr kann fast jeder fünfte Viertklässler in Deutschland nicht richtig lesen. Warum haben immer mehr Kinder Probleme damit? "Die Anforderungen in den Grundschulen sind in den letzten Jahren höher geworden. Zudem wird in immer mehr Familien nicht mehr vorgelesen", lautet die Antwort von Cornelia Sunderkamp vom Mentorenverein Paderborn. Dort sind an 20 Schulen 120 Mentoren aktiv, vor allem Rentnerinnen. Nur zehn Männer gehören zum Kreis der ehrenamtlichen Lesehelfer, die anfangs eine eintägige Einführung bekommen und sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen können. "Wir kümmern uns um 140 Kinder. Der Bedarf vor allem in den Grundschulen ist viel größer. Deswegen brauchen wir dringend neue Mentoren", sagt Sunderkamp. Sie sucht Menschen, die nicht belehren wollen: "Wir führen ein Bewerbungsgespräch und merken schnell, ob es klappen könnte. Ich bin begeistert, wie offen ältere Menschen für so eine Aufgabe sind. Nur ganz selten müssen wir Interessenten ablehnen."

Inge Lange, ehemalige Ausbildern bei der Telekom, koordiniert den Einsatz der Mentoren in und um Nordhorn an der Grenze zu den Niederlanden. Ein Mentor braucht nach ihren Worten keine pädagogische Ausbildung. Wichtig seien Geduld und Herzlichkeit: "Man muss nur gerne lesen und Kinder mögen." Lange versucht herauszufinden, was das Kind von dem gerade Gelesenen verstanden hat, aber nicht über Abfragen, sondern zum Beispiel mithilfe von Rätseln am Ende einer Geschichte. "Die Kinder sind stolz, dass sich ein Erwachsener für sie allein so viel Zeit nimmt, das kennen sie sonst kaum", berichtet Lange und ergänzt: "Wenn sie sich an den Mentor gewöhnt haben, dann sind sie mit Eifer dabei. Ihr Selbstbewusstsein wächst, und sie beteiligen sich schon nach kurzer Zeit viel mehr am Unterricht."

Aller Anfang ist teuer
Grundschule

Aller Anfang ist teuer

Bis zu 300 Euro kostet die Erstausstattung für ein Kind zur Einschulung. Weil der Staat Familien mit geringem Einkommen dabei kaum unterstützt, müssen Sozialverbände einspringen.   Von Matthias Kohlmaier

Bundesweit gibt es mehr als 11 500 Mentoren in 73 Vereinen, die 15 000 Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren betreuen. "Ich hoffe auf 50 000 Mentoren, davon mindestens 10 000 Männer. Von ihnen haben wir viel zu wenig, und sie sind gerade für Jungen wichtig", betont der Buchhändler Otto Stender, der vor 15 Jahren in Hannover Initiator der Lesementorenbewegung war. Nach der ARD/ZDF-Onlinestudie haben die 14- bis 29-Jährigen im vergangenen Jahr in Deutschland täglich im Durchschnitt 274 Minuten das Internet genutzt. 36 Prozent der 14- bis 17-jährigen Mädchen und 22 Prozent der gleichaltrigen Jungen waren mehr als vier Stunden am Tag am Computer, am Tablet oder per Smartphone in sozialen Medien unterwegs. "Das frühzeitige Lesen ist eine Schutzimpfung gegen die Computersucht", sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer, der unter anderem den Zusammenhang von Mediennutzung und Gewaltverhalten erforscht.

Sofie liest mittlerweile so gut, dass sie keine Extrabetreuung mehr benötigt. Das hört sie allerdings gar nicht gerne: "Dann muss ich wohl wieder schlechter lesen, damit ich weiter zu dir kommen darf."

Information: Auf dem Portal Mentor-Bundesverband.de erfährt man, an welchen Orten es Leselernhelfer gibt und erhält Tipps, wie man eine Mentoren-Gruppe gründen kann.

Lesen Sie diesen Text mit SZ Plus:
Schule Mangelhaft

Schule

Mangelhaft

900 Millionen Euro geben Eltern jährlich privat für die Nachhilfe ihrer Kinder aus, weil die Schüler sonst nicht mithalten können. Was läuft falsch an Deutschlands Schulen? Eine Bildungsreise.   Von Renate Meinhof