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G8-Reform:Kosmetische Reparaturen

In großer Eile viel Stoff pauken - das ist das Prinzip des achtjährigen Gymnasiums G 8. Nur unter einer Bedingung könnte das G 8 zu einer guten Schule werden.

Die saarländischen Schüler und Lehrer können sich glücklich schätzen. Obwohl sie jetzt ein Jahr weniger Zeit für den Weg zum Abitur haben, hagelt es keine schlechten Noten. Trotz des Zeitdrucks, wohlgemerkt. Für die Kultusminister, die sich nächste Woche in Berlin treffen, um eine Lösung für die Probleme im verkürzten Gymnasium zu finden, darf das keine Entwarnung sein. Denn die saarländische Studie zeigt allenfalls, dass sich Schüler, Lehrer und Eltern trotz ihres Unmuts anstrengen, in großer Eile viel Stoff zu pauken. Aber genau darin liegt das Problem des achtjährigen Gymnasiums G 8.

Schulklasse, dpa

Ganztagsunterricht: Zehn-Stunden-Tage in der Schule bleiben unzumutbar.

(Foto: Foto: dpa)

Die saarländische Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) will nun in ihrem eigenen Land externe Gutachter einsetzen, die die Lehrpläne auf verzichtbare Inhalte abklopfen und gleichzeitig prüfen sollen, wo Lehrer noch Unterstützung benötigen, um die völlig überhastete Reform in den Schulalltag zu übertragen.

Lern- und kreative Entspannungsphasen müssen sich abwechseln

Dieser Weg erfordert Geduld, aber er verspricht mehr Erfolg als die marktschreierische Forderung von Bayerns Ministerpräsident Beckstein, die Stofffülle irgendwie zu reduzieren, um Nachmittagsunterricht zu verhindern. Kosmetische Reparaturen reichen nicht, um die chronische Überforderung von Schülern und Lehrern zu beseitigen.

Es gibt nur eine Bedingung, unter der das G 8 zu einer guten Schule werden könnte: ein Ganztagskonzept, in dem sich Lern- und kreative Entspannungsphasen abwechseln. Denn nicht nur die Schüler brauchen mehr Zeit, auch die Lehrer. Zehn-Stunden-Tage in der Schule bleiben unzumutbar, solange sich einfach nur Unterrichtsstunde an Unterrichtsstunde reiht. Einigen Ländern ist diese Reform aber schlicht zu teuer.

© SZ vom 28.2.2008/bön

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