Fünf Jahre Humboldt-Professuren Kritikpunkte sind erkennbar, ja offensichtlich

Eine Umfrage der Humboldt-Stiftung unter den Professoren ergab: Die große Mehrheit hat weitere Fördermittel eingeworben, sieben der 34 Professoren haben Preise erhalten wie etwa den Max-Born-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Kommendes Jahr soll eine ausführlichere Bilanz des Programms erstellt werden.

Schon jetzt sind allerdings Kritikpunkte erkennbar, ja offensichtlich. So ist die Humboldt-Professur fast ausschließlich eine männliche Veranstaltung, gerade mal eine Frau, die Biologin Ulrike Gaul, ist unter den 34 Spitzenforschern, an diesem Donnerstag kommen immerhin zwei Frauen hinzu, darunter die Infektionsforscherin Emmanuelle Charpentier.

Das läuft jedem Ziel, mehr Frauen in die Forschung zu bringen, zuwider. Von den 138 Preisnominierten seit 2009 waren nur zwölf Frauen. Allerdings hätten zwei Forscherinnen die Humboldt-Professur ausgeschlagen, sagt Schwarz. Sie entschieden sich für bessere Angebote ihres bisherigen Instituts. Schwarz spricht das Problem offen an, doch was hilft? "Eine Frauenquote würde das Leistungsprinzip beschädigen", sagt Schwarz. Er fordert die Universitäten auf, bewusst nach befähigten Frauen zu suchen. "Die Universitäten müssen sich wie Headhunter gezielt auf die Suche nach Spitzenforschern machen, darunter auch mehr Frauen", sagt Schwarz.

Er sieht die Universitäten auch bei einem anderen Thema am Zug: der Last die Hochschulbürokratie. Sie scheint ein ganz eigenes Phänomen des deutschen Hochschulsystems zu sein, eine Art zeitraubende Geisterbahn für Spitzenforscher. Sie wird von mehreren Humboldt-Professoren als zäh, wenn nicht widerspenstig wahrgenommen.

"Der größte berufliche Kulturschock"

"Das war der größte berufliche Kulturschock zu erkennen, welche Verwaltungsprozesse es überhaupt gibt", sagt Brock über seine Ankunft im deutschen Unisystem. "In den USA wurde das von mir ferngehalten." Dort liefen etwa Einstellungen von studentischen Hilfskräften schneller und unkomplizierter. "Ich ging zur Sekretärin und am nächsten Tag erhielt der Neue sein Geld. Hier gibt es eine Ausschreibung und es befassen sich die Fakultätsverwaltung, der Personalrat, die Frauen- sowie die Schwerbehindertenbeauftragte damit", sagt Brock.

Man kann sich in das System hineinwühlen wie Brock, man kann sich Hilfe organisieren wie Charpentier (siehe Interview in der SZ vom 05. Mai 2014) - oder auch aufgeben, wie der Mathematik-Professor Friedrich Eisenbrand. Er war für ein halbes Jahr Kollege Brocks an der TU Berlin.

Eisenbrand möchte selbst zwei Jahre später nicht über die Hintergründe seines überraschenden Abschieds von der Humboldt-Professur in Berlin sprechen, der Vorfall belastet ihn bis heute. Schon damals sickerte durch, dass er sich mit der Verwaltungsspitze der Universität stritt; es gab eine Verstimmung über zugesagte Räume, die auch jemand anderem versprochen waren, die Chemie zwischen Präsident und Professor soll nicht gestimmt haben. Irgendwann reichte es Eisenbrand. Er kehrte mit seiner Familie an die Hochschule Lausanne zurück.

"Servicehaltung gegenüber den Wissenschaftlern entwickeln"

Probleme mit der Uni-Verwaltung sind für viele Spitzenforscher ein Ärgernis, sagt Schwarz. "Die Univerwaltungen in Deutschland müssen flexibler werden, sie müssen endlich eine Servicehaltung gegenüber den Wissenschaftlern entwickeln."

Und da ist noch eine Auffälligkeit: Von den Preisträgern entscheidet sich jeder vierte letztlich doch gegen ein deutsches Institut. Schwarz ficht das allerdings nicht an. "Die Kandidaten erhalten oft ein attraktives Gegenangebot ihres Instituts. Das zeigt, dass wir die richtigen Spitzenleute auswählen."

Dabei geht es nicht nur um Millionen, Spitzenunis und Forschungscluster. Manchmal sind die Wünsche des Partners entscheidend, mal spielen Heimatgefühle eine Rolle, so wie bei Oliver Brock. Er stammt aus Berlin-Dahlem, immer wieder liebäugelte er damit zurückzukehren. Acht Jahre unter Präsident George W. Bush entfremdeten ihn von den USA. Da kam das Angebot gerade recht. "Meine Eltern, mein Bruder und Freunde leben hier." Da sei auch ein Stück Lokalpatriotismus dabei, sagt Brock. Da unterscheidet er sich doch sehr von seinen Robotern.