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Fremdsprachen in der Grundschule:Je früher, desto besser. Oder?

Englischunterricht in einem dritten Schuljahr an einer Grundschule in Elmendorf 04 11 2003 N

Wie früh sollen Grundschüler denn nun Englisch lernen?

(Foto: imago/photothek)

Es ist sinnvoll, wenn Kinder frühzeitig Französisch und Englisch lernen. Aber muss man die Sprachen schon ab der ersten Klasse unterrichten?

Einst war Baden-Württemberg beim Thema Fremdsprachenunterricht der Vorreiter für den Rest der Republik. Flächendeckend hatte man dort im Jahr 2003 als erstes Bundesland Fremdsprachen an Grundschulen eingeführt - entlang der Grenze Französisch, ansonsten Englisch. Jetzt will Baden-Württemberg als erstes Bundesland die Fremdsprachen zurückfahren: Statt wie bisher von der ersten Klasse an sollen sie nach dem Willen der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) voraussichtlich ab dem Schuljahr 2018/19 von der dritten Klasse an unterrichtet werden.

Hintergrund sind laut Stuttgarter Kultusministerium Defizite beim Lesen, Schreiben und Rechnen - Schüler aus Baden-Württemberg hatten zuletzt beim Vergleich mit anderen Bundesländern schlechter abgeschnitten als in der Vergangenheit. Bereits im jetzt endenden Schuljahr gibt es in Deutsch und Mathematik jeweils eine Wochenstunde mehr. "Die angekündigte Änderung beim Fremdsprachenunterricht ist kein Sparprogramm, sondern zielt auf eine qualitative Weiterentwicklung der Grundschulen. Die frei werdenden Ressourcen sollen weiterhin in den Grundschulen verbleiben und zielgerichtet für die Stärkung der Kompetenzen in Deutsch und Mathematik eingesetzt werden", sagt die stellvertretende Ministeriumssprecherin Christine Sattler.

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Matthias Schneider, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg, widerspricht: "Die zusätzliche Stunde in Deutsch und Mathe ist schon lange beschlossen; damit sind unsere Grundschulen jetzt auf einem Stand mit Bayern. Dafür muss man nichts an anderer Stelle kürzen, das sind vorgeschobene Gründe." Die Einschränkung des Fremdsprachenunterrichts hat laut Schneider vielmehr mit der zu geringen Anzahl Grundschullehrer zu tun. "Das Land hat veraltete Prognosen. Künftig braucht man deutlich mehr Lehrer als bisher angenommen. An den Hochschulen in Baden-Württemberg müssen die Ausbildungskapazitäten ganz schnell erhöht werden. Dafür fehlt leider bisher ein klares Signal", sagt er.

Schneider betont die Bedeutung früher Fremdsprachenkenntnisse, da das Land von internationalen Kontakten lebe. Es sei widersinnig, den Unterricht einzuschränken, da dessen Qualität deutlich besser werde - Englisch und Französisch an der Grundschule sei mittlerweile Teil der Hochschulausbildung für angehende Lehrer. "Diskutieren kann man, ob Französisch an der Rheinschiene sinnvoller ist als Englisch, da gehen die Meinungen bei Eltern und Lehrern auseinander", betont Schneider.

Falk Staub ist Realschullehrer für Französisch im Saarland und bildet Grundschullehrer in diesem Fach aus - neben der Grenzregion in Baden-Württemberg wird im Saarland sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz Französisch in der Grundschule unterrichtet. Er hält eine Abkehr vom Fremdsprachenunterricht von der ersten Klasse an für falsch. "Kinder haben einfach sichtlich Spaß daran, eine Fremdsprache, ein Land und Leute zu entdecken. Das ist nun mal die Neugier, die sie treibt", erklärt Staub. "Eine Umgebung, die Begegnungen mit Fremdsprachen ermöglicht, die Anregungen bietet, das finde ich sehr wichtig. Das Fremdsprachenlernen sollte so früh wie möglich anfangen", sagt Staub. Er kenne aber auch Kollegen, die von der Qualität des Fremdsprachenunterrichts an Grundschulen nicht überzeugt seien. Sie würden sagen: "So, jetzt legt das Grundschulzeugs mal weg. Wir fangen jetzt mit dem richtigen Fremdsprachenlernen an." Staub befürchtet, dass Eltern in Baden-Württemberg wegen des späteren Beginns der Fremdsprache ihre Kinder verstärkt auf Privatschulen schicken werden. "Aber eben nur die, die das Geld dafür haben."