Frauen und Bildung Für Extremisten sind gebildete Frauen gefährlich

Afghanische Mädchen in einer Schulklasse

(Foto: Getty Images)

Sogar gefährlicher als jede Militäroperation. Es ist eine Schande, dass weltweit noch immer so viele Mädchen keinen Zugang zu Bildung haben.

Gastbeitrag von Carolin Kebekus

Frauen tragen die Hauptlast der Armut. Das hat ganz konkrete und messbare Folgen für das Leben von Mädchen, die von großem Elend betroffen sind. Welche? Hier sind ein paar erschütternde Statistiken aus dem Bereich Bildung: Mädchen, die keine Schule besuchen, haben ein viel größeres Risiko, sich mit dem HI-Virus anzustecken und früher zu sterben. Das Risiko, als Minderjährige verheiratet zu werden, ist bei ihnen sechsmal höher, wenn sie keine weiterführende Schule abschließen. Der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) zufolge gibt es derzeit rund 700 Millionen Frauen, die als Kinder verheiratet wurden. Jeden Tag kommen 39 000 dazu. Sie bleiben meist zu Hause, bekommen oft sehr früh viele Kinder und geben damit auch ein bestimmtes Rollenbild weiter an die nächste Generation. Setzt sich der gegenwärtige Trend fort, wird ihre Zahl in etwa 15 Jahren auf knapp eine Milliarde steigen.

Weltweit besuchen über 130 Millionen Mädchen keine Schule. Wäre das die Bevölkerung eines Staates, wäre es der zehntgrößte der Welt - größer als Deutschland und Spanien zusammengenommen. Das ist eine globale Bildungskrise. Gerade Mädchen haben es in den ärmsten Ländern besonders schwer. Alleine in Afrika haben 53 Millionen Mädchen keinen Zugang zu Bildung - verglichen mit 48 Millionen Jungen. Das heißt nicht, dass es für die betroffenen Jungen nicht genauso wichtig wäre, eine Schule zu besuchen. Es zeigt aber, dass es Mädchen in Entwicklungsländern besonders hart trifft.

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Weltweit ist nur die Hälfte aller Frauen auf dem Arbeitsmarkt präsent. Bei Männern sind es über zwei Drittel. In Industrieländern wie Deutschland haben 90 Prozent der Frauen Zugang zu finanziellen Dienstleistungen - in Entwicklungsländern sind es weniger als 20 Prozent. Und alle, die sich hierzulande darüber ärgern, dass bei 30 offenen Browsertabs das YouTube-Video ruckelt, sollten mal nach Afrika schauen. Der gesamte afrikanische Kontinent nutzt in einer Woche so viel Datenvolumen wie Netflix-Abonnenten an nur einem Tag. Dort haben 45 Prozent weniger Frauen Zugang zum Internet als Männer. Zum Vergleich: In Industrieländern liegt die Differenz zwischen den Geschlechtern bei etwa zwei Prozent.

Investitionen in Bildung gerade für Mädchen sind auch wirtschaftlich gesehen klug. Gehen Mädchen zur Schule, steigen später ihre Erwerbschancen und ihr Einkommenspotenzial nimmt zu. Jedes weitere Schuljahr bedeutet etwa zwölf Prozent mehr Einkommen im Erwachsenenalter. Dieses Geld geben Frauen dann meistens sinnvoll für ihre Familien und die Gemeinschaft aus. Das belegen etliche Studien. Leider haben noch immer über eine Milliarde Frauen nicht einmal Zugang zu einem Bankkonto.

Erhielten Mädchen den gleichen Bildungszugang wie Jungen, hätten Entwicklungsländer mindestens 112 Milliarden US-Dollar mehr in den Staatskassen - Geld, das diese wiederum in Schulen, Universitäten, Lehrerinnen und Lehrer investieren können. Besser ausgebildete Frauen treffen zudem klügere Lebensentscheidungen. Sie kommen leichter an Informationen über Schwangerschaftsvorsorge, Hygiene, Impfungen und Ernährung. Das führt dazu, dass sowohl die Mütter- als auch die Kindersterblichkeit unter den Gebildeten deutlich sinkt.