Fragebogen "Alte Schule":Pepe Danquart

Fragebogen "Alte Schule": Pepe Danquart, Jahrgang 1955, war mit 22 Mitbegründer des Kollektivs Medienwerkstatt in Freiburg, später lehrte er an der Berliner Filmakademie und der Kunsthochschule in Hamburg. Der Regisseur dreht Dokumentar- und Kurzfilme, 1994 erhielt er für „Schwarzfahrer“ den Kurzfilm-Oscar. Am 1. Juli startet sein Doku-Roadmovie „Vor mir der Süden“ im Kino, für das er auf den Spuren Pier Paolo Pasolinis im Fiat Millecento durch Italien fährt.

Pepe Danquart, Jahrgang 1955, war mit 22 Mitbegründer des Kollektivs Medienwerkstatt in Freiburg, später lehrte er an der Berliner Filmakademie und der Kunsthochschule in Hamburg. Der Regisseur dreht Dokumentar- und Kurzfilme, 1994 erhielt er für „Schwarzfahrer“ den Kurzfilm-Oscar. Am 1. Juli startet sein Doku-Roadmovie „Vor mir der Süden“ im Kino, für das er auf den Spuren Pier Paolo Pasolinis im Fiat Millecento durch Italien fährt.

(Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Der Oscar-Regisseur nahm früh dramaturgisch Einfluss: als Verdopplungskünstler mit Schulbus-Murmeltier-Moment.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Möglichst weit weg von der Tafel, also meistens letzte Bank. Aber immer mit meinem Zwillingsbruder, solange wir nicht auf verschiedene Schulen geschickt wurden.

Influencer oder Follower?

Durch das zwillingsverdoppelte Selbstwertgefühl und sportliche Fähigkeiten war ich (oder wir) eher tonangebend in unserer "peer group". Nennt man heute wohl Influencer.

Mein Hobby in der Pause?

Meistens die nicht gemachten Hausaufgaben von Mitschülern abschreiben.

Meine größte Stunde?

Um eine bessere Note zu bekommen, tauschte ich mit meinem Zwillingsbruder manchmal bei Prüfungen den Platz, weil er in Mathe besser war als ich (vice versa in Englisch) - die ganze Klasse, die das mitbekam, kicherte vor sich hin.

Das würde ich gern vergessen:

Weil der Schulbus immer erst zehn Minuten nach Schulbeginn ankam, musste ich über Jahre hinweg immer wieder vor der ganzen Klasse dieselbe Entschuldigung herunterleiern. Den Fahrplan des Schulbusses hat dies nicht verändert.

Ein Denkmal gebührt ...

... Herrn Ballhorn, dem Musiklehrer, und Herrn Pantle, dem Sportlehrer. Dem einen dafür, dass er mich in die wunderbare Welt der Kunst einführte, dem anderen dafür, dass er mich die Eigenverantwortlichkeit meines Handelns lehrte. Ohne ihn wäre ich wohl zum Schulabbrecher geworden.

Lernen ist ...

... was Wunderbares!

Noten sind ...

... völlig überflüssig, wenn Lehre unterhaltsam gestaltet wird. Falsch, wenn es nur zum streberhaften Auswendiglernen führt statt zum Begreifen. Entmutigend als strafendes Ermahnen.

Schule müsste ...

... ein Wohlfühlort zum kreativen Entfalten sein, kein Ort der Disziplinargesellschaft, der nach gut und schlecht differenziert.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... jenen Mitschülern, deren Schwäche (zum Beispiel Stottern oder Dickleibigkeit) man gegen sie verwendet hat. Grausamkeiten der Kindheit und frühen Jugend.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... niemand.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Trotzdem war dies unsere letzte "Alte Schule".

© SZ vom 28.06.2021
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